Berlin : Atkins, South Beach, Glyx – was ist das und wie gesund ist es?

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Christiana Einig, Leiterin des Beratungszentrums des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam, erklärt Wirkweise, Sinn und Unsinn der drei derzeit meistdiskutierten AbnehmProgramme.

DIE ATKINS-DIÄT

Atkins empfiehlt, die Kohlenhydratzufuhr radikal zu drosseln und durch Fette und Eiweiß zu ersetzen – heißt: viel Fleisch, Wurst, Ei; kein Brot, keine Nudeln, Kartoffeln, Reis – und geht davon aus, dass eine regelrechte Fettschmelze einsetzt. Was stimmt: Bei vielen Übergewichtigen ist durch die ständige Überdosierung von Kohlenhydraten (Süßigkeiten bis Nudeln, deren Grundbaustein ja Glucose, also Zucker, ist), zu viel Insulin im Blut, jener Stoff, der für die Zuckerverwertung da ist. Insulin ist ein aufbauendes Hormon: Grundsätzlich will es Stoffe in Zellen packen und lagern. Weil es das nebenbei auch mit Fett macht, stoppt zu viel Insulin im Blut den Fettabbau – insofern wirkt Atkins tatsächlich, indem es Fettabbauhindernisse beseitigt. Andererseits sind die Risiken hoch. 1. Wer viel Fett isst, könnte auf Dauer seine Cholesterinwerte verschlechtern. 2. Es ist fraglich, was viel Protein auf Dauer mit den Nieren anstellt. 3. Weil das Gehirn Kohlenhydrate, also Glucose, braucht, beginnt der Körper, Proteine umzubauen – zum Teil aus den eigenen Organen! 4. Sind nicht genügend Kohlenhydrate vorhanden, bildet der Körper Keton-Körper ; das sind Abbauprodukte von Fettsäuren. Vorteil: Sie dämpfen den Appetit. Nachteil: Übersäuerung des Blutes, Übelkeit und sogar Erbrechen.

Fazit: zu einseitig, deshalb nicht empfehlenswert .

DIE SOUTH BEACH-DIÄT

Atkins light. In den ersten zwei Wochen sind Kohlenhydrate ganz verboten, auch Obst, um die Insulinresistenz des Körpers zu beseitigen – so nennt man es, wenn nach viel Zucker-/Kohlenhydratverzehr viel Insulin im Blut ist, dies aber nicht mehr richtig wirkt. Dann werden Kohlenhydrate und Obst langsam wieder eingeführt. Der große Unterschied zu Atkins: South Beach differenziert zwischen guten und schlechten Kohlenhydraten (gut: möglichst natürlich, faserreich) und guten und schlechten Fetten. Gut ist auch, dass South Beach als langfristiges Konzept zur Ernährungsumstellung angelegt ist. Aber: Brot, Nudeln, Kartoffeln bleiben „gefährlich“, damit die Kohlenhydratzufuhr insgesamt zu gering – und auch die von Vitaminen, die in kohlenhydrathaltiger Nahrung oft drin sind.

Fazit: nicht ganz ausgewogen, eingeschränkt zu empfehlen.

DIE GLYX-DIÄT

Diesjähriger Liebling der Frauenzeitschriften. Der Glykämische Index bemisst das Maß des Blutzuckeranstiegs nach kohlenhydratreicher Nahrung. Ein schneller Anstieg ist schlecht, weil er eine umso heftigere Insulinausschüttung hervorruft. Diese wiederum drängt den Blutzucker so unverhältnismäßig drastisch nach unten, dass schnell eine Unterzuckerung eintritt, die wieder Heißhunger auslöst. Grundsätzlich stimmt diese Überlegung zwar, allerdings ist die Berechnung des Indexes nicht praxistauglich. Grundlage sind immer 50 Gramm Kohlenhydrate in einem Lebensmittel. So kommen ulkige Vergleiche zustande. Wassermelone zum Beispiel soll einen hohen, also ungünstigen Wert haben, allerdings muss man, um auf 50 Gramm Kohlenhydrate zu kommen, gleich 600 Gramm essen. Außerdem ist der Anstieg des Blutzuckers zum einen von Körper zu Körper unterschiedlich und ebenfalls abhängig von der Kombination der Kohlenhydrate mit Fetten – die beschäftigt den Körper nämlich länger und lässt den Blutzucker langsamer steigen. Aussagekräftiger ist die Glykämische Last , die sich aus Index und Gehalt der tatsächlich verzehrten Mahlzeit errechnet.

Fazit: kompliziert, irreführend, eingeschränkt zu empfehlen .

WAS MAN TUN SOLL

Viel Bewegung , viel Wasser trinken und vor allem: kleinere Portionen. Darauf achten, dass in Low-Fat-Produkten oft viel Zucker drin ist! Und: ausgewogen essen, am besten nach den Tipps der Deutschen Gesellschaft für Ernährung , die viel Kohlenhydrate empfiehlt, allerdings Vollkornprodukte!Aufgezeichnet von C. Röhrs

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