Berlin : Atmosphärische Störung auf „Planet Pro Berlin“

Trotz Rechtsstreits: Musikfestival am Samstag steht

Michael Lünstroth

Auf manch einem Planeten wird die Atmosphäre mitunter so eisig, dass das Atmen schwer fällt. Zum Beispiel auf dem „Planet Pro Berlin“, dem Musikfestival, das am Sonnabend auf der Straße des 17. Juni stattfinden wird. Es ist das zweite Mal, dass diese Parade, die eigentlich keine Parade sein will, an den Start geht. Und genau das ist der Grund für die eisige Atmosphäre. Im vergangenen Jahr hatten Jeannie Foitzik und Armin Mostoffi vom Plattenlabel „Bash Records“ die „Planet Pro Berlin“ gemeinsam organisiert. Dann gab es „konzeptionelle Differenzen“, wie es Foitzik nennt, oder „Lügen und Intrigen“, wie Mostoffi behauptet.

Man traf sich vor Gericht zum Streit um die Namensrechte der Veranstaltung, und naturgemäß, wenn zwei streiten, gibt es zwei Sichtweisen. „Im einstweiligen Verfügungsverfahren wurde festgehalten, dass wir die Markenrechte haben“, sagt Jeannie Foitzik. Ihr ehemaliger Mitstreiter Armin Mostoffi verweist auf die Hauptverhandlung im Februar 2007 und darauf, dass noch gar nichts entschieden sei. Der Richter habe zudem gesagt, dass, wenn zwei etwas gemeinsam gemacht haben, sich nicht einer allein die Namensrechte sichern könne.

Der Streit geht also weiter, wird aber nichts daran ändern, dass am Sonnabend die „Planet Pro Berlin“ auf der Straße des 17.Juni um 12 Uhr beginnt. Anders als bisher wird es nicht nur elektronische Musik geben: Auch Rock, Pop, Reggae und Schlager sind in diesem Jahr zu hören. Auf zwölf Bühnen mit 120 DJs. „Das Besondere an uns ist: Wir machen alles“, sagt denn auch Jeannie Foitzik. Die prominentesten Namen sind die der Loveparade-Verweigerer Dr. Motte, Mijk van Dijk, DJ Icon und Brooklyn Bounce. Sie sollen dafür garantieren, dass auf der 1,2 Kilometer langen Strecke zwischen Yitzhak-Rabin-Straße und Siegessäule hüpfende und lächelnde Menschen unterwegs sind. Im vergangenen Jahr sollen es laut Veranstalter 45 000 Musikfans gewesen sein. Die Polizei hatte allerdings nur 15 000 gezählt. Und in diesem Jahr? Jeannie Foitzik windet sich und will keine Zahl nennen, nur so viel: „Ich freue mich über jeden, der kommt.“ Es soll ein großes, Musikstile verbindendes Fest werden. Deshalb ist auch die Hafenbar in diesem Jahr dabei: „Bei Techno kann man immer so schlecht mitsingen“, sagt Fabian Böckhoff von der „Hafenbar“, „wir wollen die Mitsingquote kräftig anheben.“ Die Hafenbar setzt bei ihrem Musikprogramm konsequent auf Schlager.

Für Armin Mostoffi sind die Künstler der „Planet Pro Berlin“ höchstens C-Klasse: „Musikalisch ist das ein Schlag in die Fresse“, sagt er im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Er startet nun seinerseits am 26. und 27. August den „Offpop! Music Day“ auf der Straße des 17. Juni. Anders als bei „Planet Pro Berlin“ soll hier aber nur elektronische Musik zugelassen werden. Die ehemalige Geschäftspartnerin Jeannie Foitzik hat damit kein Problem: „Das ist keine Konkurrenz. Das sind zwei verschiedene Veranstaltungen an zwei verschiedenen Terminen.“ Sie sei gespannt, was „der Armin“ auf die Beine stelle, und sie wolle sich das auf jeden Fall anschauen. So rasen die beiden Planeten weiter aufeinander zu. Nach bisherigen Erkenntnissen wird es im Februar 2007 zum Zusammenprall kommen. Wenn vor Gericht entschieden wird, wer denn nun wie heißen darf.

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