Atomtransport rollt an : Vor dem Castor kommt die Furcht

Am Dienstagabend soll schon der zweite Atommüll-Transport innerhalb von zwei Monaten durch Brandenburg fahren. Führt die Route diesmal auch durch Berlin? Gegner halten das für möglich, da auf der Hauptstrecke gebaut wird.

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Die Vorbereitungen für den nächsten Castor-Transport durch Brandenburg laufen auf Hochtouren.
Die Vorbereitungen für den nächsten Castor-Transport durch Brandenburg laufen auf Hochtouren.Foto: dpa

Polizei und Atomkraftgegner bereiten sich auf den zweiten Castor-Transport innerhalb von zwei Monaten vor. Auch dieser wird durch Brandenburg führen, vermutlich wird der Zug jedoch nur einen kurzen Abschnitt durch die Prignitz rollen. Aller Voraussicht nach werde „nur ein geringer Teil Brandenburgs berührt“, hatte ein Sprecher des Innenministeriums jüngst gesagt – ein deutlicher Hinweis, dass der Zug wieder über die gut ausgebaute Gütermagistrale Magdeburg-Stendal-Wittenberge-Ludwigslust (siehe Grafik) rollt. Von dieser Strecke dürften die Behörden nur im äußersten Notfall abweichen, da beide Alternativen durch Berlin führen. Hier hätten Gegner nicht nur baulich – zum Beispiel an Brücken –  zahlreiche Gelegenheiten für Blockaden oder Anschläge, hier wohnen die Gegner auch. Die Polizei stünde in der Stadt vor einer schweren Aufgabe. Zudem könnte das Stadtgebiet wegen zahlreicher Bahnhöfe und Abzweigstellen nicht so schnell durchquert werden.

Bernd Ebeling von der Initiative „Contratom“ hält eine Fahrt durch Berlin für möglich, falls die direkte Route nicht befahrbar sein sollte. Da der Güteraußenring bei Hennigsdorf wegen Brückenbauarbeiten gesperrt ist, bleibt derzeit nur die südliche Umfahrung über Schönefeld, quer durch Köpenick und weiter zum Karower Kreuz. Theoretisch wäre auch die Route von Stendal über Spandau-Gesundbrunnen-Karow möglich, falls die Wunschroute Richtung Wittenberge kurzfristig blockiert ist. Einzelheiten zu den von den Behörden genehmigten möglichen Strecken sind traditionell geheim.

Drei Routen kommen für den radioaktiven Transport infrage, zwei davon führen durch die Hauptstadt.
Drei Routen kommen für den radioaktiven Transport infrage, zwei davon führen durch die Hauptstadt.Grafik: Tsp

In Berlin hat es in den vergangenen zehn Jahren keinen Atomtransport gegeben. Dies hatte die Umweltverwaltung im Oktober vorigen Jahres auf Anfrage der Grünen bestätigt.  „Mit im Transit durch Berlin führenden Kernbrennstofftransporten ist aus geografischen Gründen auch weiterhin nicht zu rechnen“, hatte die Umweltbehörde mitgeteilt.

Der Zug mit den fünf Castor-Behältern mit 16 Kilogramm Plutonium und 500 Kilogramm Uran soll am Dienstagabend in Karlsruhe starten und am Donnerstag in Lubmin bei Greifswald im Zwischenlager eintreffen.

Wie berichtet, hatten Unbekannte am Freitagabend nördlich von Oranienburg zwei Brandsätze in Kabelschächten der Bahn deponiert. Sie waren nach einem Hinweis aus der Bevölkerung entdeckt und entschärft worden. Ein Bekennerschreiben ist bislang nicht eingegangen, jedoch gehen Sicherheitsbehörden von einem Zusammenhang mit dem Castortransport aus. So hatten Unbekannte im Dezember im Bahnhof Magdeburg Kabel angezündet, was den Betrieb erheblich gestört hatte. Im November war in Berlin-Neukölln eine S-Bahn-Strecke tagelang lahmgelegt worden. Auch dort war der Brandsatz in einem Schacht für Signalkabel deponiert worden.

Eine bis dahin unbekannte Splittergruppe „Kommando Sebastien Briard“ hatte sich dazu bekannt. Der junge Mann hatte sich 2004 in Frankreich auf Gleisen angekettet und war von einem Atomtransport überfahren worden. In der jüngsten Ausgabe der linksextremistischen Zeitung „interim“ werden „sabotierte Signalanlagen“ gegen Castor-Transporte befürwortet. Dadurch werden Strecken zwar blockiert, aber keine Menschenleben gefährdet, so die Logik der Linksextremisten. Seit Tagen wird die Route intensiv von der Polizei überwacht, auch von Hubschraubern aus.

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