Atriomed : Ärztezentrum wird Betrug vorgeworfen

Das erst im Februar eröffnete Ärztezentrum Atriomed am Rosenthaler Platz in Mitte steht unter dem Verdacht des Abrechnungsbetruges. Nach Tagesspiegel-Informationen wirft die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin dem Zentrum vor, für drei der dort tätigen Mediziner Behandlungen unter einer falschen Arztnummer abgerechnet zu haben.

Ingo Bach

BerlinDiese lebenslange Ziffer dient der KV zur Identifizierung des Arztes, der die Versorgung von Kassenpatienten abrechnet.

Die Vorwürfe wirken sich auch auf die Patienten aus. Wie berichtet, kooperiert Atriomed mit der Techniker Krankenkasse (TK). Dadurch genießen TK-Versicherte in dem Haus, in dem Ärzte aus acht Fachrichtungen praktizieren, exklusive Konditionen: neben einem besseren Service im Wartezimmer vor allem, dass die Kranken binnen fünf Werktagen einen Behandlungstermin erhalten. Doch dieses Versprechen kann Atriomed nun nicht mehr für alle halten. Wegen des Abrechnungsstreites darf einer der ursprünglich drei dort tätigen Hautärzte derzeit nicht für Kassenpatienten arbeiten, ebenso der Diabetologe und einer von zwei Orthopäden. Manche Kranke müssen deshalb länger auf einen Termin warten – oder werden von der TK an andere Mediziner in Berlin vermittelt. „Diesen Engpass können wir nur für eine Übergangszeit akzeptieren, die hoffentlich bald überwunden ist“, sagt die Berliner TK-Sprecherin Heike Weinert. Atriomed dagegen betont, dass es keine Terminprobleme gebe, da die übrigen Ärzte mehr arbeiteten.

Die KV lehnt eine offizielle Stellungnahme zu den von ihr erhobenen Vorwürfen ab. „Wir können keinerlei öffentliche Äußerungen zu Namen von Ärzten oder Institutionen geben, gegen die Ermittlungen stattfinden“, sagte der KV-Vize Uwe Kraffel dem Tagesspiegel. Generell sei man jedoch gesetzlich verpflichtet, bei einem Verdacht auf Abrechnungsbetrug die Polizei einzuschalten, wenn es sich um einen relevanten Schaden handele.

Die KV hat aber noch mehr getan. Die unter der falschen Arztnummer abgerechneten Leistungen wurden nicht bezahlt. Damit fehlen mehrere zehntausend Euro in der Atriomed-Kasse. Außerdem hat die KV Widerspruch gegen die Zulassung der drei Arztsitze eingelegt, weil diese ja nicht korrekt genutzt worden seien. Hätte die Vereinigung damit Erfolg, müsste Atriomed neue Sitze für niedergelassenen Mediziner aufkaufen, da in Berlin wegen der hohen Versorgungsdichte ein Zulassungsstopp gilt. Das käme teuer: zwischen 200 000 und 300 000 Euro sind da schnell fällig – pro Sitz.

Der Betreiber von Atriomed wehrt sich gegen die Vorwürfe. Ein Fehler in der Abrechnungssoftware sei für die falschen Arztnummern verantwortlich, sagt Andreas Heyer, Geschäftsführer der Health- Care Managers GmbH in Köln, die bundesweit drei weitere Atriomed-Center betreibt. „Das war ein Fehler, aber kein Betrug.“ Deshalb hoffe er auf eine gütliche Einigung mit der KV. „Worin sollte auch der Nutzen liegen, unter einer falschen Arztnummer Leistungen abzurechnen, die wir jetzt nicht bezahlt bekommen?“ Man habe beim Zulassungsausschuss Widerspruch gegen das Vorgehen der KV eingelegt. Darüber wird am Mittwoch entschieden. 

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