Berlin : Attacken gegen Busfahrer werden immer brutaler

Aggressive Fahrgäste schlagen schneller zu Am Mittwoch gab es schon wieder zwei Vorfälle

Tanja Buntrock



Gewalttätige Übergriffe auf Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe scheinen immer größere Ausmaße anzunehmen. Erst etwas über eine Woche ist es her, dass ein BVG-Busfahrer in Lankwitz verprügelt wurde, da erwischte es am Mittwoch schon wieder zwei seiner Kollegen.

Zunächst zog in der Storkower Straße in Prenzlauer Berg ein Fahrgast gegen 13.50 Uhr einen Schlagstock – einen so- genannten Totschläger – aus dem Rucksack, und schlug unvermittelt auf einen 45-jährigen Busfahrer der Linie 156 ein. Der Fahrer hatte sich zuvor geweigert, den Mann mitzunehmen, da dieser einen ungültigen Fahrschein vorgezeigt hatte. Nachdem der Täter zugeschlagen hatte, flüchtete er. Der BVG-Mitarbeiter kam mit Prellungen in eine Klinik.

Gegen 20.45 Uhr wurde dann ein 49-jähriger Busfahrer der Linie M 27 in Wedding verprügelt. Er hatte an einer Haltestelle in der Wollankstraße angehalten und Fahrgäste ein- und aussteigen lassen. Ein Mann, der in Begleitung einer Frau mit Kinderwagen war, schlug von außen gegen die Ausstiegstür, schimpfte über den Fahrstil des BVG-Mitarbeiters und stürmte dann den Bus. Ein Faustschlag traf den 49-jährigen Fahrer ins Gesicht. Doch einige Passagiere gingen dazwischen und verhinderten, dass es weitere Schläge setzte. Der Angreifer flüchtete. Der Fahrer kam in ein Krankenhaus.

„Die beiden Busfahrer sind bis auf Weiteres krank geschrieben. Sie wurden nach den Übergriffen von Kollegen abgelöst, so dass die Fahrten fortgesetzt werden konnten“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Wie der Tagesspiegel erfuhr, sind bis zum 11. September dieses Jahres bei der BVG 165 Straftaten gegen Mitarbeiter registriert worden. Im Jahr 2005 zählte die BVG insgesamt 202 Straftaten. Reetz sagte dazu: „Die Anzahl der Straftaten ist etwa vergleichbar mit der aus dem Vorjahr. Doch die Qualität ist eine andere geworden.“ Das heißt: Wo vor einigen Jahren Busfahrer von aggressiven Fahrgästen noch wüst beschimpft wurden, „da setzt es jetzt sofort Schläge“.

Besonders besorgniserregend sei die Tatsache, dass die Übergriffe „völlig unvermittelt“ kämen. Somit hätten die Busfahrer, die von der BVG auch speziell geschult werden, in angespannten Situationen zur Deeskalation beizutragen, keine Chance. „Diese neue Qualität der Gewalt beobachten wir seit etwa eineinhalb bis zwei Jahren“, sagte Petra Reetz.

Doch wie wollen die Verkehrsbetriebe ihre Mitarbeiter künftig schützen? Eines sei klar, sagte Reetz: „Wir werden nicht mit Pfefferspray oder Ähnlichem aufrüsten. Denn dann würden wir die gewalttätige Situation akzeptieren.“ Die BVG rät ihren Fahrern in einer angespannten Situation weiterhin Ruhe zu bewahren – sofern es möglich ist. Ansonsten sind bereits 140 neue Busse mit Plexiglas-Schutzscheiben an der Fahrerkabine ausgestattet. Damit sollen die Fahrer vor allem vor Angriffen aus dem Hinterhalt geschützt werden.

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