Berlin : Aubis: Chefs verhaftet

Ralf Schönball/Werner Schmidt

Unter Betrugsverdacht in Millionenhöhe wurden gestern die beiden Aubis-Geschäftsführer Klaus Hermann Wienhold und Christian Neuling verhaftet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, bei der Lieferung von Heizenergie für knapp 10 000 Wohnungen in Plattenbauten in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.

Der Schaden beträgt nach Dokumenten der Staatsanwaltschaft 2,6 Millionen Euro. Es könnte aber, so hieß es, ein Schaden von bis zu zehn Millionen Euro entstehen. Davon sollen jeweils 600 000 Mark auf die persönlichen Konten von Wienhold und Neuling geflossen sein. Unterlagen der Staatsanwaltschaft, die dem Tagesspiegel vorliegen, erhärten den Verdacht, dass Wienhold und Neuling sich Vorteile aus Energielieferungsverträgen mit ihren ehemaligen Plattenbau-Gesellschaften verschafften. Die Verträge schrieben Preise vor, die den Ermittlern zufolge über den marktüblichen Konditionen lagen. Davon hätten Wienhold und Neuling Kenntnis gehabt. Sie hätten aber gegenüber einer Tochter der kreditgebenden Berlin Hyp "wahrheitswidrig" versichert, alle von ihnen unterschriebenen Verträge verfügten über "marktgerechte Konditionen" - und die Bank damit betrogen.

Diese schriftliche Zusicherung gaben die zwei gescheiterten Unternehmer bevor sie die Plattenbauten in Brandenburg (Havel), Cottbus, Schwerin, Halle, Plauen, Leipzig und Görlitz an das Geldhaus zurückgeben mussten. Nach Angaben der Ermittler war dies "zur Vermeidung der Insolvenz der Aubis-Unternehmensgruppe und für eine geordnete Verwaltung und Fortführung der baulichen Sanierung der Wohnungsbestände" notwendig. Durch die "Knebelverträge" (ein Insider) zwischen den Wohnungsfirmen und dem Wärmelieferanten Elpag entstehen den Wohnungsnutzern derzeit so hohe Nebenkosten, dass schon dadurch eine wirtschaftliche Vermietung der Immobilien für die Sanierungsgesellschaft unmöglich ist.

Der Schaden durch die mutmaßlich überhöhten Energiepreise beläuft sich nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auf rund drei Millionen Euro allein für die Vertragszeit von Anfang 2000 bis heute. Die Ermittler haben außerdem Anhaltspunkte dafür, dass ein Teil dieser Gelder in die Taschen von Wienhold und Neuling zurü ckgeflossen sind. Diese so genannten "kick-backs" seien dadurch möglich gewesen, dass eine Firma aus dem Aubis-Imperium "das Finanzmanagement der Elpag" übernommen hatte. Wienhold und Neuling hatten zuvor stets bestritten, dass zwischen der Elpag und ihrer Aubis-Gruppe wirtschaftliche Verflechtungen bestehen.

Doch das sehen die Ermittler inzwischen anders: Es bestünden "zureichende Anhaltspunkte dafür, dass die Beschuldigten (Wienhold und Neuling; Anm. d. Red.) inoffiziell an der Elpag beteiligt sind." Wie eng die Verflechtung der Firmen ist, belegen auch Bankdokumente über ein Konto des Wärmelieferanten Elpag, für das Wienhold und Neuling zeichnungsberechtigt sind.

Gegen die beiden Aubis-Geschäftsführer wird außerdem wegen des Verdachts des Prozessbetrugs ermittelt. Sie sollen in einem Zivilverfahren, das derzeit in Leipzig geführt wird, die Unwahrheit gesagt haben. Auch hier sollen sie einen wirtschaftlichen Zusammenhang zwischen Aubis-Firmen und der Elpag geleugnet haben.

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