Berlin : Auch der Farbton macht Musik

Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt eröffnet sein neues Foyer. Dort gibt es viel mehr als nur Konzertkarten

Frederik Hanssen

Wer mal im „Regent“-Hotel (Ex-„Four Seasons“) am Gendarmenmarkt war, kennt den Überraschungseffekt: Draußen eine glatte Glas-Stein-Fassade – und innen ein Palais im Stil des 19. Jahrhunderts mit Ölgemälden und Feuer im Kamin. Nur ein paar Schritte weiter kann man den verwirrenden Stilmix jetzt in umgekehrter Reihenfolge erleben: beim neuen Servicebereich des Konzerthauses. Hinter der klassizistischen Fassade des Schinkelschen Musentempels empfängt den Besucher seit Montag coole Metropolenatmosphäre: grauer Granit auf dem Boden, Halogenspots an der Decke, Milchglasflächen im Wechsel mit orangerot gestrichenen Wänden, dunkel gebeiztes Holz, Designerstühle. Aus der guten alten Zeit mitten in die Moderne.

Frank Schneider, der Intendant des Konzerthauses, ist ein Spezialist für solche stilistischen Spagatsprünge. Schließlich bietet er seit Jahren ein Programm, das bewusst zeitgenössisch ist, ohne die Vergangenheit zu ignorieren. Und so hat er für den neuen Servicebereich (rechterhand der Freitreppe gegenüber vom Französischen Dom) auch den Architekten Peter Kulka beauftragt, einen Mann, der für seine klaren Linien geschätzt wird. Kulka, der auch schon für den Ausbau des alten Orchesterprobenraums zum ultramodernen Werner-Otto-Saal im Konzerthaus verantwortlich zeichnete, hat mit einem knappen Etat, der sowohl vom Berliner Senat als auch vom Staatministerium für Kultur kam, einen hocheleganten Servicebereich geschaffen, der künftig so manchen Spaziergänger anlocken dürfte, der sich sonst wohl kaum in die heiligen Hallen getraut hätte.

Hier sollen Führungen durch das Haus beginnen, hier kann man sich beraten lassen, Tickets kaufen, eine Kaffeepause einlegen und bald auch an „Hörsäulen“ in die Musik hineinhorchen, die hier gespielt wird. Geöffnet ist täglich ab 12 Uhr. Im Sommer dürfen sogar draußen Stühle aufgestellt werden. „Ein lang gehegter Wunsch ist in Erfüllung gegangen“, schwärmt Intendant Schneider. Mit dem Servicecenter tritt das Konzerthaus den optisch attraktiven Beweis an, dass Tradition und Avantgarde unter einem Dach friedlich nebeneinander existieren können.

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