Berlin : Auch in Berlin: Proteste gegen Erdogan

Wie türkische Blätter über eine Großkundgebung in Ankara berichten

Suzan Gülfirat

Mehr als 300 000 Türken haben am Sonnabend in der Türkei gegen eine Kandidatur des islamisch-konservativen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan protestiert. Die Demonstranten riefen zur „Verteidigung der Republik“ und zur Beibehaltung der Trennung zwischen Staat und Religion auf. Die Menge trug Porträtbilder des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk. Auch die türkischen Zeitungen in Deutschland berichteten über diese Kundgebung.

„Der größtmögliche Einwand“, titelte die Hürriyet am Sonntag. „Die Botschaft des 14. April“, titelte die Milliyet. Beide Blätter widmeten dem Thema zudem mehrere Seiten im Innenteil. Schließlich handelte es sich um eine der größten politischen Kundgebungen seit Gründung der Republik vor mehr als 80 Jahren. Dennoch widmeten andere türkische Blätter dem Thema bestenfalls eine Meldung.

Grund dafür ist, dass die Kundgebung in der Türkei von der „Föderation zur Förderung des Gedankengutes Atatürks“ (ADD) organisiert wurde. Doch nicht jeder Türke ist gut auf den türkischen Staatsgründer zu sprechen. Die Tageszeitung Türkiye bekennt sich zwar immer wieder zur türkischen Republik, aber gleichzeitig ist das Blatt auch auf Seiten des Ministerpräsidenten Erdogan. Hier erschien die Nachricht als Meldung, wobei die Zeitung nicht den eigentlichen Grund der Kundgebung genannt hat.

Die Kundgebung blieb nicht ohne Folgen auch für die Türken in Berlin. Am Sonnabend traten Mitglieder der „Föderation zur Förderung des Gedankengutes Atatürks in Deutschland“ in der deutschen Hauptstadt vor die türkischen Medien. „Sie haben die Kundgebung von Berlin aus unterstützt“, schrieb die Hürriyet in der Überschrift. Das Foto dazu zeigte 15 Männer und zwei Frauen. „Die Mitglieder haben gegen die Kandidatur von Ministerpräsident Tayyip Erdogan zum Staatspräsidenten protestiert“, hieß es weiter. Sie hätten die Liveübertragung aus Ankara angeschaut und über eine Solidaritätskundgebung in Duisburg am 5. Mai gesprochen.

Der Verein hat seit 1997 auch einen Ableger in Berlin. Zu den Mitbegründern gehören vor allem Akademiker der ersten Einwanderergeneration. Ziel des Vereins ist es, die Ideen und Reformen Kemal Atatürks vor allem Jugendlichen näherzubringen. Der Verein wir jedoch auch dann aktiv, wenn es um dem Schutz der Republik geht.

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