Berlin : Auch Kampfhunde dürfen ohne Maulkorb auf die Straße

Die Pläne des Senats für ein neues Hundegesetz reichen vor allem Eltern nicht aus. Auch der zuständige Stadtrat ist skeptisch

Constance Frey

Noch ist der neue Entwurf zum Hundegesetz nicht fertig – und schon stößt er bei den Berlinern auf Skepsis. Marco und Ramona zum Beispiel, beide Mitte zwanzig, sind für eine Maulkorbpflicht ohne Ausnahme. „Es ist einfach schon zu viel passiert.“ Familienvater Bernd Ebert schlägt einen Hundeführerschein für Halter von Hunde ab einer bestimmten Größe vor. Dass Kampfhunde demnächst seinen Kindern ohne Maulkorb im Park entgegenkommen könnten, findet er beängstigend. „Die Einhaltung der Leinenpflicht hat auch schon wieder nachgelassen.“ Neu in den Gesetzesplänen ist, dass der Charakter des Hundes und nicht seine Rassenzugehörigkeit zeigen soll, ob er gefährlich ist. Nur noch vier Hunderassen statt bisher zwölf werden als gefährlich eingestuft. Ihre Zucht wird verboten. An die Leine müssen jetzt alle Hunde. Dafür brauchen viele Tiere den Maulkorb nicht mehr zu tragen, wenn ein Tierarzt überprüft hat, dass sie nicht aggressiv sind. Das soll offenbar auch für die vier als gefährlich eingestuften Rassen gelten: den Pit-Bull, den American Staffordshire Terrier, den Staffordshire Bullterrier und den Bullterrier.

„Das ist ja alles gut gemeint, aber wie wollen Sie denn auf der Straße überprüfen, ob ein Hund gefährlich ist? Das merkt man meistens erst nach dem Biss“, sagt Andreas Geisel (SPD), der Stadtrat für Umwelt und Gesundheit in Lichtenberg. Sein Amt überwacht die Hundehaltung in ganz Berlin. Dass sein Einwand nicht unberechtigt ist, zeigte sich erst am Donnerstag wieder in Brandenburg. Dort wurde ein schwerbehinderter Angler von einem Schäferhund angefallen. Der Halter war nicht dazu in der Lage, seinen Hund zurückzureißen. Der 72-Jährige wurde an Armen und am Rücken verletzt und musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Stadtrat Geisel nimmt seine vierjährige Tochter lieber auf den Arm wenn er einen Hund sieht, selbst wenn der Besitzer sagt, das Tier wolle nur spielen.

Karl-Heinz Faisst hat zwar keine kleinen Kinder mehr, die er vor Hunden schützen muss, doch er würde sie gerne ganz aus der Stadt verschwinden sehen. „Einen Hund kann man doch in einer Wohnung nicht artgerecht halten. Wer sich kein großes Grundstück leisten kann, der sollte auch keinen Hund haben.“

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