Berlin : Auch Kinoplätze und Top-Restaurants werden gegen die Fluglotsen eingesetzt

KLAUS KURPJUWEIT

Argumente der Umzugsentscheidung für Bremen in Berlin umstritten VON KLAUS KURPJUWEIT

Berlin.Gegen den Fluglotsen-Standort Berlin im Vergleich mit Bremen spricht gutachterlich fast alles - sogar die Zahl der Kinoplätze und Top-Restaurants.Doch nicht nur wegen Zweifeln an dieser Aussage wollen sich die Lotsen und die Senatsverkehrsverwaltung nicht einfach mit der Entscheidung abfinden, die Deutsche Flugsicherung (DFS) bis 2003 von Tempelhof nach Bremen zu verlagern."Vor allem bei den wirtschaftlichen Fragen sehen wir noch einen erheblichen Klärungsbedarf", sagte Betriebsratschef Frank Zimmermann gegenüber dem Tagesspiegel.In der Verkehrsverwaltung hat man den Eindruck, die DFS-Geschäftsleitung habe "händeringend nach Kriterien gesucht, die gegen Berlin sprechen." Die DFS will, wie berichtet, im Norden Deutschlands die Flugsicherung in Bremen konzentrieren.Die Zentrale Berlin wird dann aufgelöst.Bremen sei für die DSF kostengünstiger, außerdem sei für die Mitarbeiter der Aufwand bei der Lebenshaltung geringer.Das gelte besonders für die Preise von Eigenheimen, argumentiert die Geschäftsleitung. In Berlin akzeptiert man diese Aussage so nicht.Bei den Kosten sei nicht berücksichtigt, daß die DSF in Schönefeld mit der Kirchengemeinde einen Erbbaurechtsvertrag für ein Grundstück mit einer Laufzeit von 50 Jahren abgeschlossen habe, sagen die Kritiker vom Betriebsrat und in der Verkehrsverwaltung übereinstimmend.Die DSF muß dafür jährlich 780.000 Mark zahlen, was auf die Laufzeit gerechnet fast 40 Millionen Mark ausmacht.Auf dem Grundstück sollte eine neue Zentrale entstehen; die Station in Tempelhof war vor zwei Jahren als Zwischenlösung eingerichtet worden.Ob ein Ausstieg aus dem Vertrag möglich ist, sei ungewiß. Im Vergleichsgutachten Berlin-Bremen wird ein Neubau in Schönefeld als Chacne bewertet, "ein modernes Center mit Außenwirkung für die DFS-Zielsetzung der Erbringung von technologisch führenden Flugsicherungsdienstleistungen (Standort auf neuem deutschen Drehkreuz-Flughafen)" zu schaffen.Zudem würden, anders als bei einem Umbau, Betriebsstörungen in der Bauphase vermieden.Der Neubau schied aber aus Kostengründen aus. Eine Erweiterung in Bremen, die erforderlich sein könnte, wenn der obere Luftraum nicht wie geplant in Zukunft zentral von Maastricht aus überwacht wird, würde aber die wirtschaftliche Gebäudeunterhaltung erschweren, heißt es in dem Gutachten.Genaue Angaben zu den Kosten gibt es in den Unterlagen allerdings nicht.So ist auch unklar, wieviel Fördermittel in Schönefeld bei einem Neubau in Anspruch genommen werden könnten.Das Gebäude in Bremen hatte die Flugsicherung als Bundesanstalt vor Jahren unentgeltlich vom Bund übernommen.Bei einem Auszug entstünde ein bilanzieller Verlust, argumentiert die Geschäftsleitung auch hier zugunsten Bremens. Vom Umzug nach Bremen sind 286 Mitarbeiter betroffen, 19 weniger als bei einem Umzug der Bremer nach Berlin.82 der Berliner sind zudem erst vor kurzem aus Dresden, Leipzig oder Erfurt gekommen.Würde in Schönefeld eine neue Zentrale errichtet, würden sich viele Mitarbeiter in Brandenburg niederlassen.Beim Vergleich der Immobilienpreise fehlt Brandenburg allerdings. Immerhin leiten die Gutachter beim "Softfactor" Freizeitwert, der die Zahl der Top-Restaurants, Kinos und Theater beider Städte vergleicht, wobei Bremen pro 10.000 Einwohner gerechnet jeweils besser abschneidet als Berlin mit seinen absolut höheren Werten, keine abschließende Aussage ab.Freizeitgestaltung sei nämlich "in hohem Maße individuell und subjektiv."

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