Berlin : Auch Luft kostet Energie

NAME

Von Roland Knauer

Manchmal sind es gerade die kleinen, wenig beachteten Weichenstellungen, die den Zug in eine völlig neue Richtung schicken. In der großen Energiepolitik geht es etwa um den langsamen Ausstieg aus der Atomenergie und die internationalen Vereinbarungen zum Klimaschutz. Mindestens ebenso wichtig für die Zukunft aber sind die Ziele der Deutschen Energie Agentur (dena), die von den Bundesministerien für Umwelt, Verkehr und Wirtschaft gemeinsam mit der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW gegründet wurde. Die mehr als dreißig Mitarbeiter in Berlin-Mitte sollen den Bundesbürgern das Energiesparen mit Hilfe eines Etats beibringen, der nur zur Hälfte aus Steuergeldern finanziert wird. Die andere Hälfte kommt über Aufträge und Sponsorengeld von Wirtschaftsunternehmen.

Klar ist: Die Weichenstellung in Richtung Energiesparen wird kaum klappen, wenn der Bürger zum sauertöpfischen Verzicht gemahnt wird. „Den Menschen soll nicht der Spaß verdorben werden," erklärt dena-Sprecherin Katrin Evers. „Der Einzelne spart bares Geld und die Umwelt profitiert", lautet das Credo. Dabei gewinnen alle Beteiligten.

Oft scheitert das aber am mangelnden Wissen: Vermieter scheuen teure Wärmedämmungen und Heizungssanierungen, weil sie nicht wissen, wie schnell sich so etwas rechnet. Der Haushaltsvorstand beschließt den Kauf eines billigen Kühlschranks, obwohl das etwas teurere Modell in zwölf Jahren leicht 300 Euro Stromkosten sparen kann. Und die Gefriertruhe braucht ohnehin zu viel Strom, weil niemand weiß, welche Kälte dem Tiefkühlspinat am besten bekommt.

Die dena hilft jedem Ratsuchenden: Der Besitzer eines Einfamilien- oder auch eines Mietshauses erfährt, welche Fördergelder seine neue Energiesparheizung mitfinanzieren könnten. Der Privatmann soll einen energiesparenden Fernseher erkennen können, soll wissen, wie er Strom mit der vorhandenen Gefriertruhe sparen kann oder welche Elektrogeräte besonders sparsam mit Energie und Haushaltsgeld umgehen.

Dazu hat die dena eine Info-Hotline eingerichtet. Gesponsert von der Telekom und der Ruhrgas AG, beraten sechs Energie-Ingenieure den Ratsuchenden gratis rund um die Uhr unter der Rufnummer 0800 07 36 734.

Der Vermieter bekommt Tipps, wie er am billigsten und umweltbewusst Heizenergie produziert und ob Kraft-Wärme-Kopplung für ihn in Frage kommt. Der Bauherr erfährt, ob Solar- und Windenergie für ihn interessant ist. Und wer eine Planung braucht, vermitteln die Berater an die Energie-Agenturen der Länder, an Verbraucherzentralen oder an ein Forschungsinstitut. Seit Jahresanfang haben gut 4500 Menschen Rat gesucht.

„Wissensportale im Internet“ heißt die zweite Säule, auf die sich die dena stützt. Unter www.deutsche-energie-agentur.de und dem Stichwort „EnEV" oder „Energieeinsparverordnung" finden Architekten etwa die neuen Gesetzestexte und werden beraten, wie sie die neue Verordnung denn in die Tat umsetzen können. Unter www.thema-energie.de beantwortet Neugierigen, Häusle-Bauern oder dem Heizungs-Installateur Fragen rund um das Thema „Energie".

Die dritte Säule der dena, das Energiesparen unters Volk zu bringen, besteht in gezielten Kampagnen. Sie sollen den Bürger aufklären, dass bei Haushaltsgeräten von der Waschmaschine und der Kühltruhe bis hin zum Wasserkocher oft bis zu fünfzig Prozent Energie bei gleicher Leistung gespart werden können, wenn man weiß, welches Gerät den geringsten Verbrauch aufweist.

In weiteren Kampagnen wird dem Einzelnen Tipps gegeben, wie er im Verkehr Energie sparen kann, ohne den Spaß an der Fortbewegung zu verlieren. Die dena greift auch Themen wie die Effizienz von Druckluftanlagen auf, die eher nebensächlich erscheinen. Denn die rund 60 000 Kompressorenanlagen in Deutschland verbrauchen mit rund vierzehn Milliarden Kilowattstunden den gesamten Strom aus drei bis fünf großen Kohlekraftwerken. Viele Druckluftanlagen zum Aufblasen von Reifen oder zur Reinigung von Bauteilen sind alt und werden kaum gewartet. Aus Lecks pfeift die Luft davon, die doch zielgerichtet eingesetzt werden sollte.

Vierzig Prozent der eingesetzten Energie könnte gespart werden, die Atmosphäre bliebe um 1,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid verschont. Und: Zweihundert Millionen Euro Energiekosten könnten bundesweit im Jahr gespart werden, hat die dena ausgerechnet. Da sind die Kosten für ohnehin fällige Reparaturen in ein bis zwei Jahren leicht wieder reingeholt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben