Berlin : Auch nach 150 Jahre Korporationsrecht ist der Verein für Frauen tabu

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Zu gekrönten Häuptern hatte die älteste Schützenvereinigung des Berliner Raumes schon immer einen besonderen Draht: König Friedrich Wilhelm IV. war es, der vor 150 Jahren der Spandauer Schützengilde die Korporationsrechte verlieh. Für ihre Tapferkeit in der Schlacht gegen die Pommern hatte bereits Markgraf Ludwig der Bayer den Spandauern bereits 1334 neben anderen Privilegien auch die Gründung der Gilde erlaubt.

15 Jahre später erhielten die Spandauer für ihre Treue das blaue Band verliehen, das sie bis heute über ihrer Uniform tragen. Indessen hat sich der Zweck des Zusammenschlusses längst von der Schutztruppe über die Bürgerwehr zu einer Vereinigung gewandelt, die den Schießsport und die Geselligkeit pflegt. Nur in einem Punkt sind die Mitglieder in den 665 Jahren standhaft gebieben. Damals wie heute ist die Gilde für Frauen tabu.

Mit der Verleihung der Korporationsrechte vollzog sich 1849 endgültig der Wandel von der innungsmäßig organisierten Struktur zum neuzeitlichen Verein. Primär hatte die Auszeichnung den Zweck, den Erwerb von Grundstücken und die Aufnahme des dazu benötigten Kapitals zu erleichtern. Zuvor mussten entsprechende Verträge von jedem einzelnen Mitglied unterzeichnet werden. "Erst damit erhielten die Schützen das Recht, eine Vereinigung zu bilden und sich selbst zu verwalten", so der Spandauer Rechtsamtsleiter Jürgen Knebel, der bei der heutigen Festveranstaltung die Bedeutung des Titels erläutert. Bis 1799 hatten sie die Erlaubnis zum jährlichen Scheibenschießen noch direkt beim König einholen müssen, danach beim Magistrat. Aus Anlass des Jahrestages wird im 1912 eingeweihten Schützenhof an der Niederneuendorfer Allee eine kleine Ausstelltung (heute von 11 bis 16 Uhr sowie am 8. September von 17 bis 21 Uhr) alter Dokumente und Schießscheiben gezeigt, die bis auf das Jahr 1770 zurückgehen. Die Ergebnisse der jährlich im Mai stattfindenden Wettbewerbe werden auf die kunstvoll gestalteten Königsscheiben übertragen, die jeweils der amtierende Schützenkönig anfertigen lässt und beim Vogelkönigsschießen im Oktober vorstellt. Mit Gewehren wird seit 1653 geschossen, als Kurfürst Friedrich Wilhelm den Ersatz der Armbrüste durch Musketen zur Bedingung der Wiedergründung nach dem Dreißigjährigen Krieg machte. Heute verfügen die rund 100 Mitglieder der Gilde in Hakenfelde über die modernsten Schießstände Berlins.

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