Audiotour : Hören, wo Geschichte spielt

Aus manchen Kopfhörern von Jugendlichen kommt demnächst vielleicht nicht nur Musik, sondern auch Zeitgeschichte: Das Projekt Hörpol führt Schüler durch Spandauer Vorstadt.

Patricia Hecht

Das Projekt Hörpol ist am Montag online gegangen. Jugendliche können sich dort 27 Audiodateien aus dem Netz laden, die kleine Geschichten vom Gestern und Heute erzählen – und dabei einmal quer durch die Spandauer Vorstadt führen.

Bei einem Bummel mit dem Stadtplan in der Hand kommen Zeitzeugen zu Wort und erzählen Großeltern und Enkel von ihrem Alltag von der Nazizeit bis in die Gegenwart. Die Stationen heißen „Sterne“, „Alltag“ oder „Anpinkeln“, es geht um Rassismus und Ausgrenzung, damals und heute. Die Audiodateien können heruntergeladen und dann gehört werden, während man auf der Wiese oder im Cafe sitzt.

„Ich wollte eine andere Art der Geschichtsvermittlung ausprobieren, als Jugendliche immer nur durchs Museum zu schicken“, sagt der Autor Hans Ferenz, der das Projekt auf die Beine gestellt hat. Sieben Jahre hat er recherchiert, Unterstützer wie den Haupstadtkulturfonds gefunden und fast zehn Monate im Tonstudio gearbeitet, um die Audiostücke zwischen zwei und acht Minuten zu produzieren. Mehr als 120 Menschen haben bei Hörpol mitgemacht, darunter Zeitzeugen wie der jüdische Jazzmusiker Coco Schumann, Schauspieler Axel Prahl oder ZDF-Moderatorin Marietta Slomka. Und natürlich Schüler.

Die Elftklässlerin Désirée Dargel von der Spandauer Martin-Buber-Schule etwa hat mit anderen die Station „Anpinkeln“ eingesprochen. Die erzählt davon, wie Nazis auf einen Berliner Juden urinierten – und wie Neonazis ihre Opfer auf ähnliche Art quälten. „Viele denken, dass Rassismus heute nicht mehr aktuell ist“, sagt die 17-jährige. Darauf mit dem Projekt aufmerksam zu machen, sei eine „coole Aktion“. Patricia Hecht

Der Stadtplan von Hörpol liegt heute dem Tagesspiegel bei; www.hoerpol.de

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