Audiotour Nummer 3 : Im Dorf Schöneberg

Die Schöneberger Dorfkinder spielten am liebsten auf dem Mühlenberg – so lange, bis die Löwen brüllten.

Christoph Stollowsky

Die Schöneberger Dorfkinder spielten am liebsten auf dem Mühlenberg – so lange, bis die Löwen brüllten. Der Radau, den die Tiere allabendlich vor ihrer Fütterung machten, war Mitte des 19. Jahrhunderts vom Zoo über die damals noch weitgehend unbebauten Äcker und Wiesen bis Schöneberg zu hören. Dann wusste der Dorfnachwuchs – jetzt müssen wir nach Hause gehen. Diese Geschichte vom einstigen Mühlenberg, an dem heute das Rathaus steht, erzählt die Leiterin des Jugendmuseums Schöneberg an der Hauptstraße 40/42, Petra Zwaka, gerne, wenn sie mit Besuchern ihrer „Wunderkisten“-Schau eine Zeitreise zurück ins alte Schöneberg unternimmt.

Mannshohe Transportkisten stehen aufrecht an den Wänden, so dass man hineinschauen und stöbern kann. Hier wird die Geschichte des Bezirks erzählt, von der Dorfaue an der Hauptstraße über die Entwicklung zur kreisfreien Stadt bis in die Neuzeit. Und das Vergangene ist hier buchstäblich greifbar wie einst in den Vorbildern dieser Schau: den Raritätenkabinetten des 14. bis 17. Jahrhunderts.

Da liegt zum Beispiel eine kleine Vorderladerfeuerwaffe aus dem frühen 19. Jahrhundert, auch „Terzerol“ genannt. Eine solche Waffe hatte die Räuberbraut Luise Delitz unterm Rock versteckt, als sie 1810 verhaftet wurde. Zuvor hatte ihre Mordbrennerbande ein Schöneberger Gehöft angesteckt und ausgeraubt.

Soweit diese Räuberkiste. Gleich daneben werden die „Millionenbauern“ lebendig. Eine Pfeife, Porträts, Schlafmützen – alltägliche Dinge der Landwirtsfamilie Willmann. Als sich Schöneberg ab 1860 zur Stadt entwickelte, wurden die Willmanns durch den Verkauf ihrer Äcker steinreich. Auch andere Bauern scheffelten damals Millionen. Und zu dieser Geschichte ist das Museum selbst ein Ausstellungsstück. Dessen gründerzeitliche Villa hat sich eine Millionenbauernfamilie erbaut.Christoph Stollowsky

Jugendmuseum Schöneberg, Mi/Do, 15-18 Uhr, Sa/So, 14-18 Uhr, Telefon: 75606163, www.jugendmuseum.de

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