Berlin : Auf Abstand

Zöllner reagiert ablehnend auf Bildungsgutscheine

Unabhängig vom Einkommen volle Freiheit bei der Schulwahl – das wollen der Paritätische Wohlfahrtsverband, die Bürgerstiftung und der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller über ein Bildungsgutscheinsystem erreichen. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) nannte diesen Vorschlag gestern „theoretisch charmant“; er führe aber „auf absehbare Zeit“ nicht weiter. Zudem beweifelt Zöllner, dass die Gutscheine „zum Wohle der Mehrheit sind“.

Wie berichtet, halten die genannten Organisationen das derzeitige System für ungerecht, weil sich nur vermögende Familien einen Privatschulplatz leisten könnten. Alle anderen würden praktisch gezwungen, die staatlichen Schulen in ihrem Einzugsbereich zu wählen, wobei ärmere, aber bildungsinteressierte Eltern sich über den Umweg von Scheinanmeldungen noch Auswege suchen könnten. Bildungsferne Schichten seien praktisch darauf angewiesen, sich mit dem staatlichen Angebot vor Ort zu begnügen. Deshalb plädieren die Organisationen dafür, dass der Staat auch die Privatschulen voll finanziert und im Übrigen die Einzugsbereiche abschafft.

Das Risiko, dass dann bildungsferne und für Schulen „unattraktive“ Familien überhaupt keine Schule mehr für ihre Kinder finden, sieht die ehemalige grüne Bildungssenatorin Sybille Volkholz nicht. Sie verweist auf gute Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen. Dort seien die Einzugsbereiche aufgehoben worden, aber man habe den Kindern ein Recht auf eine wohnortnahe Schule eingeräumt.

Die jetzige Regelung, wonach Eltern, ob sie wollen oder nicht, die naheste Schule nehmen müssen, führt zu immer mehr Widerstand. Je stärker sich die Eltern um eine bessere Schule bemühen und dabei auch zu Scheinadressen greifen, desto mehr versuchen die Bezirke, dies zu verhindern, wobei sie nach Elternangaben sogar gegen Datenschutz verstoßen.

Heute will Sybille Volkholz das Gutscheinsystem in einer Konferenz der „Stiftung Zukunft Berlin“ erläutern. Anschließend werden der Musikproduzent Tim Renner, der ehemalige Bundesminister Klaus Töpfer und andere Fachleute darlegen, wie sie sich auch in anderen gesellschaftlichen Bereiche eine Deregulierung und eine Stärkung der Zivilgesellschaft vorstellen. sve

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