Berlin : Auf Arbeit

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VON TAG ZU TAG

Elisabeth Binder über Partys mit Präsidenten und echten Königinnen

Dass Königinnen sowas überhaupt dürfen, ist ja schon erstaunlich. Da kommt unsere Silvia von Schweden an einem finsteren Adventsabend angeflogen, schnappt sich den Bundespräsidenten und geht mit ihm zu einer Fete der „Bild“-Zeitung, die, wie man sehr gut weiß, nur von Arbeitern und Bauern gelesen wird und nicht von schönen Königinnen und klugen Präsidenten. Ja sind denn die Protokollabteilungen, die hier doch dringend ein Veto einlegen müssten, alle schon im Weihnachtsurlaub? Sonst wird doch aus jeder Mücke ein Elefant gemacht. Wir erinnern uns gern an die diplomatischen Endlos-Verwicklungen, als die Italiener ernsthaft darüber nachdachten, der Queen beim Staatsbesuch Knoblauch zu servieren. Oder an die Verlegenheit des jungen Bush, als sein Helikopter bei der Landung am Buckingham Palace 150 Jahre alte Sträucher abrasierte.

Halten wir’s der Königin mal zugute, dass es eine Arbeitsfete war, sie kam ja sogar in schwarzen Hosen, wie Christina Rau auch. Und kann sein, dass sie sogar ein Gespür für Trends hat. Arbeitsfeten machen offensichtlich Spaß. Den ganzen Abend schufteten Promis wie Franz Beckenbauer oder Sandra Maischberger am Telefon und redeten mit Arbeitern und Bauern über die Höhe ihrer Spenden für die armen Kinder. Danach schmeckte das Büfett viel verdienter als nach einer Gala, bei der man nur glamourös glitzern muss.

Für 6,9 Millionen Euro kann man eine Menge kranker Kinder wieder gesund und viele hungrige satt machen. Wenn Königin und Präsident und die ganzen A-Klasse-Promis dafür mal einen freien Abend opfern, ist das bei Licht betrachtet supervorbildlich. Vielleicht ist das sonst so strenge Protokoll ja gerade deshalb über seinen Schatten gesprungen und hat sie einfach machen lassen.

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