Auf Befehl des Kaisers : Napoleon-Befehl zum Angriff auf Spandau präsentiert

Im Oktober 1806 stand Spandau mit seiner Zitadelle kurz vor der Zerstörung: Napoleon wollte sein Heer angreifen lassen. Jetzt tauchte seine Order bei einer Auktion auf.

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Napoleons Brief an seinen General ist nach Spandau zurückgekehrt.
Napoleons Brief an seinen General ist nach Spandau zurückgekehrt.Foto: Rainer W. During

Der Befehl Napoleons war ebenso knapp wie eindeutig: „Seien Sie vor Tagesanbruch mit dem Regiment in Spandau, besetzen Sie die Stadt und die Brücke und identifizieren Sie die Festung.“ Die Soldaten sollen die Spandauer ausfragen, „was Neues in den letzten drei bis vier Tagen passiert ist“, so hieß es in der handschriftlichen Order Nr. 13 an den Generaladjutanten Henri-Gatien Bertrand weiter. Wenn er den geeigneten Zeitpunkt sehe, solle der General mit dem Beschuss der Zitadelle beginnen.

Im Oktober 1806 stand Spandau mit seiner Zitadelle kurz vor der Zerstörung – eine äußerst brisante Situation, die am Freitag im Rathaus in Erinnerung gerufen wurde, gewissermaßen durch Napoleon persönlich. Bei einer Auktion war der originale Angriffsbefehl aufgetaucht und von der Heimatkundlichen Vereinigung des Bezirks ersteigert worden. Gestern nun konnte das Dokument erstmals den Medien präsentiert werden.

Nach der preußischen Niederlage bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 rückte das französische Heer auf Berlin vor. Spandau war die einzige verbliebene Festung, in der Napoleon noch eine Gefahr sah. Der befohlene Angriff erwies sich dann aber doch nicht als nötig: Zunächst schickten die Franzosen Marschall Jean Lannes, einen engen Freund des Kaisers, als Unterhändler auf die Festung. Die sei von nur 970 Soldaten, darunter 500 Invaliden, verteidigt worden, berichtet der Vorsitzende der Heimatkundlichen Vereinigung, Karl-Heinz Bannasch. Der kleinen Truppe standen rund 20 000 Franzosen gegenüber. Angesichts der Übermacht und des desolaten Zustands der Zitadelle kapitulierte deren Kommandant, Major Ernst-Ludwig von Benneckendorf, nach der dritten Verhandlungsrunde am 25. Oktober 1806.

Zwei Tage später besichtigte Napoleon die seit Jahrzehnten nicht mehr renovierte Festung und ordnete sofort Ausbesserungen an. Überhaupt war der Kaiser von Spandau nicht besonders angetan, bezeichnete die Stadt später sogar als „Kloake“.

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Natürlich kam auch Senator Andreas Geisel (SPD) vorbei.Weitere Bilder anzeigen
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03.06.2016 13:52Natürlich kam auch Senator Andreas Geisel (SPD) vorbei.

Rund sechseinhalb Jahre dauerte die Herrschaft der Franzosen. Dann, im Zuge der Befreiungskriege, rückten preußische und russische Truppen unter General August von Thümen an. Sie brachten ihre Kanonen dort in Stellung, wo heute das Ikea-Möbelhaus steht. Am 17. April 1813 gelang es der Batterie Baumgarten, durch einen gezielten Schuss das Pulvermagazin auf der Bastion Königin zu sprengen. Zehn Tage später verließen die Franzosen die Stadt.

Major von Benneckendorf kam die kampflose Übergabe der Zitadelle teuer zu stehen. Ein preußisches Kriegsgericht verurteilte ihn 1808 zum Tode, die Strafe wurde in lebenslange Haft umgewandelt, von der er elf Jahre absitzen musste.

Der Befehl Napoleons aber landete im Nachlass von Generaladjutant Bertrand, der 1982 in Paris unter den Hammer kam. Er wurde von einem damals in Frankreich lebenden Berliner ersteigert. Als dieser Ende 2013 seinen Schatz dem Wiener Dorotheum zur Versteigerung übergab, verständigte er zugleich Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD). Dem waren angesichts leerer Rathauskassen die Hände gebunden, und er bat Bannasch um Hilfe, dessen Heimatkundliche Vereinigung den Bezirk seit Jahrzehnten mit dem Erwerb von Exponaten für das Stadtgeschichtliche Museum unterstützt. Große Hoffnungen machte man sich nicht, erhielt aber doch den Zuschlag. Für knapp 3000 Euro kehrte der Befehl nach Spandau zurück.

Ob und wann er in einer Ausstellung länger gezeigt wird, konnte Bürgermeister Kleebank gestern noch nicht sagen. Der Befehl befinde sich im Besitz der Vereinigung, betonte Bannasch. Und verwies zugleich darauf, dass man im Gegensatz zu Heimatvereinen in anderen Bezirken keinerlei Unterstützung erhalte, sondern noch hohe Gebühren ans Bezirksamt abführen müsse.

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