Berlin : Auf Boris Beckers Spuren

Bei den Junior Open spielen die Tennisstars der Zukunft

Benedikt Voigt

Vor zwanzig Jahren beobachtete Bernd Warneck auf der Tennisanlage am Hundkehlesee einen 15-Jährigen, der ein kleines Problem hatte. „Er hat die Rückhand nur als Slice gespielt“, erinnert sich der Turnierdirektor der Berlin Junior Open. Trotz dieses Mankos reichte das Talent des jungen Mannes aus, um das Berliner Nachwuchsturnier zu gewinnen. Zwei Jahre später hatte Boris Becker gelernt, die Rückhand offensiver einzusetzen – und gewann das Turnier in Wimbledon.

Es lässt sich nur schwer erkennen, ob sich bei den heute beginnenden Berlin Junior Open (Ergebnisse unter www.berlin-junior-open.de ) auf der Tennisanlage von Rot-Weiß ein künftiger Tennisstar der Kategorie Boris Becker findet. „Im Nachhinein ist man immer schlauer“, sagt Turnierdirektor Bernd Warneck. Nun kann er sagen, welche Größen bereits das Berliner Nachwuchsturnier gewonnen haben: Björn Borg (1969-71), Yannick Noah (1976), Pat Cash (1978), Boris Becker (1983) und Anke Huber (1989). Aber konnte man deren Karrieren schon in Berlin absehen? „Wenn man das realistisch sieht, kann man das nie sagen“, erklärt Warneck. Zu inkonstant spielen die Jugendlichen, zu viel kann in den kommenden Jahren passieren. Ein Indiz für eine große Karriere gibt es: wenn sich einer gegen ältere Gegner durchsetzen kann. „Als Steffi Graf hier mit 13 Jahren im Halbfinale stand“, erinnert sich Warneck, „konnte man sehen, dass das einmal eine sehr, sehr gute Tennisspielerin wird.“

Dieses Kriterium trifft beim aktuellen Turnier auf die 13-jährige Sabine Lisicki zu. Die Berlinerin spielt dank einer Sondergenehmigung bereits in der ersten Damenmannschaft von Rot-Weiß. In Europa steht sie in ihrer Altersklasse auf Rang vier. „Sie kann hier gut mitspielen“, sagt der Turnierdirektor. Bei den Jungen ist Jerome Becker Favorit. Der 18-Jährige aus Mannheim ist an Nummer eins gesetzt und zählt zu den größten Talenten des Deutschen Tennis Bundes. Auch der 17-jährige Berliner Roman Herold sollte zumindest ins Viertelfinale kommen.

Es stand schon einmal besser um das Juniorenturnier an der Hundekehle. Als der LTTC Rot-Weiß im Jahr 2001 die Tradition des Nachwuchsturniers wieder aufnahm, gehörte es mit einem Etat von 125 000 Euro zur Kategorie III des Turnierkalenders. In diesem Jahr müssen die Junior Open mit 30 000 Euro auskommen. „Wir finanzieren das durch Sponsoren und einzelne Spender“, erklärt Warneck. Die Teilnehmer müssen ihre Übernachtungskosten selber tragen, weshalb das Turnier vom internationalen Tennisverband um eine Kategorie zurückgestuft wurde. Warneck sagt: „Wir stehen vor einem Wiederanfang.“

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