Berlin : Auf dem Dreieck

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies erinnert an den Boden unter dem BeisheimCenter

Schauen Sie mal rechts auf das Bild: das neue Zentrum der Stadt. Und Sie können ja über die Berliner Bürokraten sagen, was Sie wollen – aber für gerade mal ein Dutzend Jahre Arbeit ist das nicht übel geworden. Das neue Berlin scheint viele Menschen zu enormen Leistungen anzutreiben; dass ausgerechnet der extrem öffentlichkeitsscheue Milliardär Otto Beisheim sich hier ein exaltiertes Denkmal geschaffen hat, ist bezeichnend. Sein neoklassizistisches Center könnte nicht prägnanter platziert sein als auf dem historischen Boden des, ja, Kubat-Dreiecks.

Der inoffizielle Name des Lenné-Dreiecks steht hier, um an die Geschichte dieses Areals zu erinnern, die so überhaupt nur in Berlin möglich war. Schräge Anarchos, die auf Ost-Berliner Boden, aber westlich der Mauer ein Zeltdorf eingerichtet hatten und schließlich in einem Anfall klarsichtiger Verwirrung das taten, was ihnen der Berliner Volksmund immer wieder gern angeraten hatte: Sie gingen rüber, über die Mauer, 1988. Geschadet hat ihnen das nicht; auf den zuspätanarchistischen Internet-Seiten feixen sie heute immer noch über den „Schock für die Spießerpresse“.

Ob das nun wirklich ein Schock war? Es war zumindest das farcenhafte Ende einer politischen Tragödie, der Beginn einer Entwicklung, an deren Ende die einst so gefürchteten Ost-Grenzer menschliche Normalgröße angenommen hatten. Viele dieser Dinge werden unter den Prunkbauten langsam in Vergessenheit geraten.

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