Berlin : Auf dem Holzweg (Glosse)

Ekkehard Schwerk

Die gestern von der BVG vorgeführten Holzplätze in U-Bahnzügen zeigen eines schon jetzt, bevor sie womöglich in Serie hergestellt und montiert werden: Diesen wird es ergehen wie den Holzbänken unter freiem Himmel. Der blindwütigen Zerstörung ist kein Material gewachsen, selbst wenn man auf Stahl verfiele, bisse man sich die Zähne aus. Die BVG ist auf dem Holzweg.

Was sie mit der Abschaffung von Personal angerichtet hat, können Holzplätze auch nicht mehr retten. Wo eine Jugend unbehelligt schmieren, kratzen und schlitzen kann, ist ihnen ihr Tun auch nicht mit härterem, als textilem Material vergällt. Wo jeder unbehelligt auf allen Bahnsteigen spucken und paffen kann, und feixt, wenn ein säuselnder Hinweis aufs Rauchverbot vom laufenden Band kommt - da kann es platterdings niemanden wundern, wenn auch in Waggons die Füße auf die Polster gelegt, Dosen und benutzte Papiertaschentücher zwischen Bank und Wand geklemmt werden und auf Schritt und Tritt gespien wird.

Was hier fehlt, sind keine Holzbänke, sondern ausreichendes Aufsichtspersonal, das alle Wagen im Blick hat, die Schmierer, Kratzer, Schlitzer stellt, sie oder die Eltern konsequent zur Kasse bittet. Utopisch? Na, dann schaut mal auf andere Städte, schaut meinethalben auf Prag oder auf Wien, schaut euch was ab für diese Stadt, die andere Gelegenheiten hat, Libertinage walten zu lassen, als gegenüber Zerstörungswütigen. Die haben übrigens nichts gemein mit den uralten Vandalen. Diese hatten im fünften Jahrhundert nur zwei Wochen lang ihr Unwesen in Rom getrieben. Unsere "Vandalen" treiben das mit Berlin seit vielen Jahren: zu Lande, zu Wasser und eben auch in der U-Bahn.

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