Berlin : Auf dem langen Weg zur Versöhnung

Berlins SPD besuchte Gedenkstätten in Polen und suchte den Dialog

Brigitte Grunert

Das weite Feld der Leiden, auf dem fast nur noch die Fundamente der Baracken zu sehen sind, liegt im Nebel. „Arbeit macht frei“ steht am Tor zum einstigen KZ Groß-Rosen, 60 Kilometer südwestlich von Breslau. Richtig wäre: Vernichtung durch Arbeit. Hier gab es keine Gaskammern; hier kam jeder Dritte der etwa 120 000 Häftlinge durch grauenvolle Lebens- und Arbeitsbedingungen im Steinbruch zu Tode. Und hier wurden mehr als 1000 sowjetische Kriegsgefangene getötet;es war auch ein Exekutionslager.

Verständigung und Versöhnung sind Daueraufgaben. Deshalb unternimmt die Berliner SPD seit Mauerzeiten alle Jahre Anfang November eine Gedenkstättenfahrt. Viele sind beinahe jedes Jahr dabei wie der jüdische Berliner Werner Bab, der Auschwitz überlebt hat, oder der Schauspieler Wolfgang Völz. Der Tag in Groß-Rosen fällt auf den 9. November. Vor das schöne Bild vom Mauerfall 1989 schiebt sich das grässliche Bild der Pogromnacht 1938. „Ein wahrhaft deutsches Datum“, sagt Strieder, der gemeinsam mit Walter Momper, Annette Fugmann-Heesing und Klaus Uwe Benneter der Opfer gedenkt: „Der 9. November erinnert daran, dass Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit zerbrechliche Werte sind…“

Auch das Begleitprogramm ist bedeutungsschwer. Der Abstecher zum einstigen Gut Kreisau des hingerichteten Widerstandskämpfers Helmuth James Graf Moltke gehört dazu. Dort trafen sich, als die Mauer fiel, Helmut Kohl und sein polnischer Kollege Tadeusz Mazowiecki zur Versöhnungsmesse. Heute arbeitet dort die Internationale Jugendbegegnungsstätte der „Polnisch-Deutschen Stiftung Kreisau für Verständigung“. Auch der Jüdische Friedhof in Breslau ist ein Ort des Nachdenkens. Viele Gräber erzählen von großen, meist deutschen Namen, deren Nachfahren im KZ ermordet wurden oder emigrierten.

Unverkrampfte Verständigung hat mit Selbstwertgefühl zu tun. Wie schwierig das ist, schwingt in den Gesprächen mit Politikern Niederschlesiens mit. Alte Wunden sind aufgebrochen, seit die Idee des Zentrums gegen Vertreibung in der Welt ist. Polen wollen so etwas nicht in Berlin – „neben dem Holocaust-Mahnmal“. Sie befürchten Relativierung. Sie wollen die Ursachen der Vertreibung betont wissen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar