Berlin : Auf dem Po rutscht es sich am besten

Ein Ausnahmezustand namens Winter: In den Kaufhäusern sind die Schlitten ausverkauft – macht nichts, geht auch ohne!

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Ufuk nimmt Anlauf, fünf, sechs Schritte, immer schneller, wirft sich in die Luft, kracht dann auf den Bob, dass das Plastik knirscht und saust den Berg hinunter. „Aahhh“, hört man ihn entzückt noch kreischen. „Gute Fahrt“, sagt Gabriel fachmännisch. Gabriel ist Ufuks bester Freund, und eigentlich müssten beide noch in der Schule sein. Aber heute ist Winter in der Stadt, nicht nur der Viktoriapark in Kreuzberg ist schön verschneit – ein Ausnahmezustand, der Hunderten Berlinern doch nochmal Lust auf den Wintersport gemacht hat. Bei Karstadt Sport drängeln sich die Eltern mit ihren Kinder – da stehen die Überreste dessen, was mal eine große Schlittenausstellung war. Fast alle traditionellen Holzrodel für 35 Euro hat Abteilungsleiter Wunderlich schon verkauft. Und nachbestellen geht nicht, trotz des Schneeeinbruchs. Denn Schlitten sind Saisonware, und der Hersteller hat praktisch schon aufgehört zu produzieren. Und auch die bunten Kunststoffschlitten sind fast ausverkauft. Die einfachen PoRutscher für 1,95 Euro genauso wie das lustigste Modell: ein Schlitten mit einklappbaren Kufen. Von ursprünglich elf Sorten sind nur noch drei zu haben, unter anderem „Ufos“, tellerartige Schlitten, auf den man kreiselnd den Berg hinunter rast. Aber welcher Schlitten, das ist eigentlich egal, denn Rodeln ist ein demokratischer Sport. Im Viktoriapark sind auch nicht die schicksten Schlitten am schnellsten. Violetta Mießbach gewinnt auf der Mülltüte gegen ihren Sohn Jeronimo, 5 Jahre alt. Und auch Annika Wegener, zwei Jahre alt, ist auf dem Po noch ein bisschen eher unten als die ältere Schwester, die zum ersten Mal fahren darf. rcf

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