Berlin : Auf dem Reißbrett eine neue Platte auflegen

Harald Olkus

Die Platte ist besser als ihr Ruf. Diese Botschaft verbreitete zumindest der Regional- und Heimatverein Marzahn-Hellersdorf mit seiner Veranstaltung "Geschichte und Zukunft industriellen Bauens" am Wochenende. Verständlich, schließlich regiert Bezirksbürgermeister Uwe Klett (PDS) über das größte Plattenbau-Reservoir in Deutschland und möchte nicht nur Geschichte, sondern auch Zukunft haben. Doch während in Eisenhüttenstadt und Schwedt Plattenbauten abgerissen werden, weil sie nicht mehr zu vermieten sind, sei der Leerstand in Marzahn und Hellersdorf mit rund zehn Prozent längst nicht dramatisch, so Klett. "Im Gegenteil: Mit rund 25 000 unvermieteten Wohnungen stehen wir bei einem Gesamtleerstand von bis zu 130 000 Wohnungen in Berlin gar nicht schlecht da", sagt Ralf Protz vom Kompetenzzentrum Großsiedlungen. "Und wenn man uns Chance und Zeit gibt, die Wohnungen weiterhin zu sanieren und das Umfeld zu verbessern, wird auch die Nachfrage da sein." Abrisse von einzelnen Plattenbauten seien aber auch in Berlin nicht auszuschließen, ergänzte Heinrich Niemann, Bezirksstadtrat für Gesundheit und Stadtentwicklung. Probleme bereiteten bestimmte Lagen.

Damit es nicht zum Abriss kommen muss, arbeitet Wolf R. Eisentraut, der Architekt vieler Plattenbauten, an ihrem Umbau. Er ändert die Grundrisse, vergrößert und individualisiert die Wohnungen. Schließlich stehen im Ostteil pro Person in den Wohnungen durchschnittlich 25 bis 27 Quadratmeter zur Verfügung, im Westen sind es dagegen 35 bis 38 Quadratmeter. Trautmann legt vierte und fünfte Stockwerke zusammen und macht Maisonette- oder Terrassenwohnungen daraus. Um die wichtige Teilidentität des Ostteils der Stadt zu erhalten hat das Landesdenkmalamt die ersten Plattenbauten unter Denkmalschutz gestellt. Neben der Splanemannsiedlung als ältestes Beispiel wurde gerade eines der letzten Beiträge der Plattenbauarchitektur der DDR am ehemaligen "Leninplatz" - heute "Platz der Vereinten Nationen" - saniert. Bei aller Wohnumfeldverbesserung sei vor allem die Wahrung des Charakters wichtig, sagt Berlins Landeskonservator Jörg Haspel. "Das sieht jetzt nicht viel anders aus als vorher - nur ordentlicher."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben