Berlin : Auf dem Sofa im Park

Originell und gut gepflegt: Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat Grünflächen mit dem „Gustav-Meyer-Preis“ ausgezeichnet

Christian van Lessen

Kleine Kunstwerke auf der Liegewiese, interessant gepflanzte Stauden, Sträucher und Hecken, bequeme, drehbare Stühle, Sport- und Spielflächen wie eine „Pirateninsel“, Platz für Lesungen und Konzerte: Berlins schönste neue öffentliche Grünfläche ist nach Ansicht einer Jury von Garten- und Landschaftsarchitekten an der Ecke Gitschiner-/Wassertorstraße in Kreuzberg angelegt worden.

Der „Nachbarschaftspark“ der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag wurde jetzt mit dem (nur zur Ehre vergebenen) „Gustav-Meyer-Preis 2005“ ausgezeichnet. Damit will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung besonders gelungene neue Grünflächen und auch „hervorragend gepflegte“ alte öffentliche Grünanlagen würdigen. Ausgezeichnet wurde auch das Bezirksamt Charlottenburg für die Pflege des Savignyplatzes. Das Amt für Umwelt und Natur in Pankow bekam einen Sonderpreis für die neue Grünfläche Florastraße 87 und ihren Wohnzimmer-Charakter.

Das Preisgericht, das unter zwölf Grünflächen zu wählen hatte, war vor allem von der Kreuzberger Anlage beeindruckt. Das Gebiet, als „sozialer Brennpunkt“ eingestuft, gilt nicht gerade als ideales Experimentierfeld für einen Park. Aber hinter bunt bemalten Mauern entstand eine fast mediterran wirkende Oase, die den Lärm der verkehrsreichen Gitschiner Straße und der Hochbahn fast verschluckt. Die frühere Brachfläche vor einem 16-stöckigen Wohnhaus wurde nach Plänen des Büros Schmidt-Seifert errichtet, beteiligt waren Anwohner und das Quartiersmanagement. Gepflanzt und gebaut wurde mit ABM-Kräften im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Stadt“. Der Park wurde zum kleinen Schmuckstück und mit seinen Skulpturen wie etwa dem „König mit Fisch“ zur Gartengalerie. Einige Mauerteile ziert Freskenmalerei. „Für Kreuzberger Verhältnisse ist die Anlage sehr gut gepflegt“, hieß es lobend im Preisgericht. Es gab zu bedenken, dass der Park vermutlich nur mit hohem wirtschaftlichem Aufwand auf dem Niveau zu halten ist.

Es gibt drei Zugänge zum Park, der abends abgeschlossen wird und im Winter dichtmacht. Ein Pförtner aus dem Hochhaus nebenan hält ein wachsames Auge auf die Anlage. Sie scheint sich noch nicht weit herumgesprochen zu haben, könnte mehr Beachtung vertragen.

Auch an der Pankower Florastraße wurde aus einer Baulücke eine Grünfläche gemacht. Hier stand bis zum Krieg ein Haus, auf dessen altem Grundriss einzelne Zimmer nachgezeichnet und mit mosaikverkleideten Betonmöbeln ausgestattet wurden. Die „verspielte Aufenthaltsqualität“ war einen Sonderpreis wert. Die Mini-Grünfläche wurde eher als originelles Kunstwerk verstanden.

Der Gustav-Meyer-Preis wird seit 1995 im Abstand von zwei Jahren vergeben. Benannt ist er nach Berlins erstem Stadtgartendirektor (1870), einem Schüler und Mitarbeiter Peter Joseph Lennés. Im Preisgericht sitzen unter anderem führende Vertreter des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten, des Fachverbandes Garten- und Landschaftsbau und der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur. Beurteilt werden ausschließlich Grün- und Freiflächen öffentlicher Auftraggeber.

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