Berlin : Auf dem Weg der Besserung Weniger Krankmeldungen – aber mehr als im Bundesschnitt

Robert Heinrich

Berliner Arbeitnehmer ließen sich im letzten Jahr seltener krankschreiben als in den Jahren zuvor – bundesweit haben sie allerdings nach wie vor die höchsten Fehlzeiten. Mehrere Krankenkassen vermelden ein Rekordtief bei den Krankschreibungen.

So verpasste ein Pflichtversicherter der Berliner AOK im Jahr 2002 durchschnittlich 5,8 Prozent seiner Arbeitszeit wegen Krankheit. Im Jahr 2001 waren es noch 6,2 Prozent gewesen. Auch andere gesetzliche Krankenkassen berichten, dass sich ihre Berliner Versicherten im vergangenen Jahr deutlich seltener krankschreiben ließen.

„Viele Leute fürchten in diesen schlechten Zeiten um ihren Arbeitsplatz und gehen im Zweifelsfall auch mal krank ins Büro“, begründet Detlef Natusch, Sprecher der Berliner TK, den Rückgang der Krankschreibungen. Außerdem kontrollieren viele Krankenkassen Ärzte und Patienten schärfer als früher. So machen Angestellte der Berliner BKK seit zwei Jahren unangemeldet Hausbesuche, wenn der Verdacht besteht, dass Krankgeschriebene heimlich in den Urlaub fahren. Beschäftigten, die sich krankschreiben lassen, weil sie Stress mit Kollegen haben, besorgt die Kasse psychologische Beratung. Ärzte, die leichtfertig krankschreiben, werden gemahnt. Mit dem Rückgang bei den Krankschreibungen liegt Berlin im bundesweiten Trend, der seit Jahren sinkende Fehlzeiten anzeigt. 2002 ging der Krankenstand nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung auf 4 Prozent zurück und damit auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Trotz der Rückgänge bleibt Berlin das Bundesland mit den meisten Krankschreibungen - vor den anderen Stadtstaaten Hamburg und Bremen. Krankenkassen bestätigen diesen Spitzenplatz. Fehlte ein BKK-Mitglied in Baden-Württemberg im Jahr 2001 durchschnittlich 12,7 Tage, war ein Berliner Versicherter im selben Jahr 19,3 Tage krankgeschrieben.

AOK-Sprecherin Gabriele Rähse vermutet den Großstadtstress als Ursache. Eine wichtige Rolle spielt möglicherweise der hohe Anteil der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst. Wie eine Mitglieder-Statistik der BKK zeigt, lassen sich Berliner Verwaltungsangestellte häufiger krankschreiben als andere Berufsgruppen. Hohe Fehlzeiten gibt es außerdem in Berufen mit einer starken körperlichen oder psychischen Belastung: in der Abwasser- und Abfallbeseitigung, in der Holzwirtschaft sowie in Schulen und Kitas.

Selten krankschreiben lassen sich hingegen Arbeitnehmer in modernen Dienstleistungsberufen - Unternehmensberater, Webdesigner, Informatiker. „In der New Economy arbeiten häufig junge, hoch motivierte Leute“, sagt dazu Jörg Bodanowitz von der DAK. „Außerdem ist die soziale Kontrolle in den kleinen Dienstleistungs-Unternehmen besonders hoch.“

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