Berlin : Auf den Bühnen geht die Show weiter

Auch die Spiele in den Stadien finden statt – ohne Gedenkminute

Matthias Oloew,Felix Lee

Von Matthias Oloew

und Felix Lee

Anders als nach dem 11. September sagen die Theater und Partyveranstalter ihre Termine wegen des Irak-Krieges nicht ab. Egal ob Staatsoper oder Friedrichstadtpalast, ob Bar jeder Vernunft oder Arena in Treptow: An den Spielplänen der Stadt wird nicht gerüttelt. Das gilt auch für die Premiere von „Don Giovanni“ in der Komischen Oper am Sonntag.

Nach dem 11. September sagten unter dem Eindruck der Bilder von den einstürzenden Türmen des World Trade Center viele Künstler ihre Aufführungen ab. Unter dem Schock fühlten sie sich damals nicht in der Lage aufzutreten. Das ist jetzt anders. „Wir haben seit langem mit dem Ausbruch des Krieges gerechnet“, sagt Lone Beck von der Arena in Treptow. Und Thomas Hermanns, Hausherr im „Quatsch Comedy Club“ an der Friedrichstraße, erklärt mit der Zeile „Make laugh, not war – lachen ist besser als sich bekriegen“, warum auch in seinem Theater weiter Kabarett und Comedy laufen. Es sei nur natürlich, die Menschen in Zeiten des Krieges zum Lachen zu bringen. „Gerade Kabarettisten reagieren in ihren Programmen immer wieder auf die aktuelle Lage“, sagt Sabine Wenger von der Bar jeder Vernunft. Damit sei dann auch in den kommenden Tagen zu rechnen.

Während zwei Stars der ZDF-Show „Wetten, dass..?“ für den kommenden Sonnabend abgesagt haben, sind in Berlin alle Kultur-Veranstalter der Meinung, es sei gerade in diesen Tagen gut, auf den Bühnen eine Alternative zu Krieg und Terror zu bieten. „Es ist wichtig, dass man nicht nur die Kriegsbilder aus dem Fernsehen zu sehen bekommt“, sagt Sabine Wenger. Falk Walter, Chef der Arena in Treptow, ergänzt: „Es muss Orte der Begegnung geben, wo man sich austauscht und nicht mit seinen Gedanken alleine ist.“ Andreas Altenhaus, Direktoriums-Mitglied in der Neuköllner Oper, sieht es so: „Es gibt ja Krieg, weil es nicht zu viel Kultur in der Welt gibt, sondern zu wenig. Und deshalb spielen wir weiter.“

Auch die Clubbetreiber bleiben bei ihren Programmen. Keine Änderung zum Beispiel bei der Party zum ersten Geburtstag im „Polar.tv“ in Tiergarten. Am Sonnabend legt unter anderen Westbam auf. Die Clubs planen auch keine Aktionen wie das Spielen von John Lennons „Imagine“, das nach dem 11. September in vielen Clubs zu hören war.

Das gilt auch für den Sport. Alle Spiele finden wie geplant statt. Wegen des Krieges hat noch keiner eine Veranstaltung abgesagt. Es bleibt beim Hertha-BSC-Spiel gegen Energie Cottbus am Sonntag. Hertha-Sprecher Hans Georg Felder wies daraufhin, dass der Deutsche Fußball Bund darüber entscheide. „Der Ball rollt“, heißt es aus dem Verbands-Hauptsitz in Frankfurt am Main. Beim Spiel gegen Cottbus seien die Sicherheitsvorkehrungen ohnehin höher angesetzt als sonst, sagte Felder. Das habe allerdings nichts mit befürchteten Terror-Anschlägen zu tun, sondern mit den Fans. Eine Gedenkminute oder ein besonderer Spruch auf der Anzeigentafel seien nicht geplant. Felder: „Ich wüsste nicht, was ich draufschreiben soll.“

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