Berlin : Auf den Dächern klappert’s

Im Storchendorf Linum kehrten diesmal weniger Vögel ein. Aber es gibt ja auch noch die Schildkröten.

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Das große Klappern. Schwankungen bei der Storchenpopulation hat es in Linum schon wiederholt gegeben. Das macht den Naturschützern keine Sorgen. Foto: dpa
Das große Klappern. Schwankungen bei der Storchenpopulation hat es in Linum schon wiederholt gegeben. Das macht den Naturschützern...Foto: dpa

Linum - Es klappert wieder mächtig im kleinen Linum, oben wie unten. Acht Storchenpaare haben ihre Horste besetzt und locken gerade an Wochenenden Ausflügler in den Ort zwischen Oranienburg und Neuruppin, die mit ihren Autos über die gepflasterte Dorfstraße poltern. Die Vögel stören sich daran kaum. „Dennoch fehlen uns in diesem Frühjahr einige Paare“, sagt Marion Szindlowksi, Leiterin der Storchenschmiede des Naturschutzbundes (Nabu). „Wir rätseln noch über die Gründe. Vielleicht sind sie auf ihrem langen Weg in ein Unwetter geraten.“

Auf den Linumer Dächern gibt es Platz für rund 20 Storchenpaare, doch die Schwankungen von Jahr zu Jahr sind normal. Selbst im Europäischen Storchendorf Rühstädt an der Elbe im Brandenburger Nordwesten bleibt in dieser Saison rund ein Viertel der 44 Horste leer. Überall dürfte der lange Winter in unseren Gefilden nicht spurlos an der Storchenwelt vorbeigegangen sein.

Darüber lässt es sich mit Fachleuten in der Ausstellung in der Storchenschmiede gut diskutieren. Hier starten auch regelmäßig Exkursionen in die nahe Teichlandschaft, wo sich die Störche zusammen mit vielen anderen Tieren wohlfühlen. Gleich in der Nachbarschaft der Storchschmiede können bei schönem Wetter Sumpfschildkröten beobachtet werden. Bei den ersten Sonnenstrahlen schwimmen die gepanzerten Tiere ans Ufer, um die Wärme zu genießen. Das Terrain ist neuerdings mit einem Zaun und einer Fotofalle gesichert, um einen Diebstahl wie im Herbst 2011 zu verhindern. Damals waren drei Exemplare der vom Aussterben bedrohten Art bei einem nächtlichen Einbruch gestohlen worden. „Unser ganzes Zuchtprogramm geriet damals in Gefahr“, erinnert sich der Chef der Naturstation Norbert Schneeweiß. „Zum Glück zeigte sich der Dieb etwas einsichtig und stellte wenigstens zwei Schildkröten vor einem Tierheim ab.“ Inzwischen werden im nördlichen Brandenburg an der Grenze zu Mecklenburg regelmäßig Jungtiere ausgewildert.

Der Rundgang könnte mit einer kleinen Schiffspartie abgerundet werden. Gleich am Ortsrand startet Ingo Warmt mit einem per Solarenergie angetriebenen Spreewaldkahn zu größeren oder kürzeren Rundfahrten in die Teichlandschaft. „1790 wurde der erste Torf entdeckt, der rund 100 Jahre abgebaut worden war“, erzählt der Kapitän. „Danach füllten sich die Gruben langsam mit Wasser, so dass wir heute 50 Teiche zählen können.“ Es seien viele Versuche mit der Zucht von Karpfen und Stören unternommen worden, die aber nie den ganz großen Erfolg gebracht hätten. Heute sei das Areal ohnehin Naturschutzgebiet. Wer will, kann sich auch ein Kanu ausleihen. Gut trainierte Touristen schaffen es von hier aus sogar bis nach Berlin.

Dabei kommen sie nahe an Kremmen vorbei, wo es seit einiger Zeit ein ungewöhnliches Café mit Pension gibt. In der ehemaligen Lebkuchenfabrik in der Nähe des Marktplatzes bewirtet Marion Best Gäste mit selbst gebackenen Kuchen. „Mich faszinierte die Geschichte dieses alten Fabrikgebäudes, in dem von 1900 bis 1945 die damals berühmten Kremmener Lebkuchen von rund 30 Mitarbeitern gefertigt wurden“, erzählt die gelernte Krankenschwester. Geblieben sind der riesige Backofen und der heute als Freilichtcafé genutzte Innenhof. Lebkuchen gibt es erst wieder in der Vorweihnachtszeit. Dann sind auch die Linumer Störche schon längst wieder abgeflogen.

Weitere Informationen unter

www.berlin.nabu.de/projekte;

www.linumerwassertouren.de;

www.lebkuchenfabrik.com

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