Berlin : Auf den Hund gekommen

Um die Häufchen-Plage in Berlin einzudämmen, verteilen Kiezstreifen jetzt Plastikbeutel

Ralf Schönball

Die Kampfansage gegen diese große Berliner Plage kommt zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt. Die Ordnungsämter der Berliner Bezirke warten nicht erst das Frühjahr ab, bis die braunen Haufen unter der Blütenpracht hervortreten und Berlin an die Kehrseite seines innigen Verhältnisses zum Hund erinnern. Dieses Jahr wird dem Kot schon lange vor Jahresende der Kampf angesagt: Zwischen dem 16. und dem 23. Oktober hängen die Ämter Plakate auf, und sie verteilen Flugblätter sowie Beutelchen für die Beseitigung der Häufchen. Damit verbunden ist die Hoffnung, die Hundehalter mögen sich endlich selbst um die Rückstände der 150 000 Vierbeiner in der Stadt kümmern. Ganz so, wie es das Gesetz vorschreibt.

Am Erfolg der Aktion wird aber schon vorab gezweifelt. Dass die neuen Maßnahmen wie immer verpuffen werden, hält der Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg für gut möglich. Ekkehard Band glaubt, dass ganz andere Mittel erforderlich wären, um Hundehalter zu bekehren. „Es müssen schwerpunktmäßige Kontrollen zu den klassischen Gassi-Zeiten mit der gebotenen Konsequenz durchgeführt werden“, sagt er. Die Streifen könnten in Zivil auf Patrouille gehen, um die Hundehalter in flagranti zu ertappen – und an ihre Kehrpflicht zu erinnern. Jedenfalls vorübergehend, schränkt Band ein. Denn die Senatsverwaltung für Inneres kann den „verdeckten Ermittlern“ in Sachen Hundekot wenig abgewinnen: Ohne die abschreckende Wirkung ihrer Uniformen müssen die Streifen sogar gewalttätige Übergriffe befürchten, heißt es dort.

Dabei sind neue Ideen im Kampf gegen den Hundedreck dringend gefragt. Zwar sind berlinweit schon seit Jahren rund 300 Kiezpolizisten im Einsatz, doch gebracht hat das nur wenig. „Die Kotmenge auf den Straßen hat sich in den vergangenen Jahren nicht verändert“, sagt Bernd Müller, Sprecher der Berliner Stadtreinigung. Eine Kiezstreife, die namentlich nicht genannt werden will, sagt: „Wir sind machtlos gegen die Hundehalter.“ Zwar könnten sie theoretisch Bußgelder in Höhe von 35 Euro verhängen. In der Praxis sei dies aber nur selten möglich. Ertappte Hundehalter redeten sich damit raus, sie hätten die Hinterlassenschaft doch ohnehin beseitigt. Was aber meist gelogen sei. Nur wenige Hundehalter würden hinter ihren Tieren aufräumen. Das zeige die Erfahrung.

Die Berliner Stadtreinigung macht „keinen Bogen um die Häufchen“, sagt Bernd Müller. Doch auch die Hilfe der Männer in Orange bringt wenig. Hunde gehen zwei bis drei Mal täglich Gassi, die BSR reinigt die Straßen bestenfalls ein Mal am Tag. Deshalb bleibt viel liegen, wenn die Hundehalter nicht selbst Hand anlegen. Besonders schlimm wirkt sich das in den Nebenstraßen und Siedlungsgebieten aus, wo die BSR nur ein oder zwei Mal die Woche im Einsatz ist.

Zum Trost sei gesagt: Dieselben Probleme wie Berlin hat gegenwärtig die Stadt Wien. Dort werden nun Plakate aufgestellt mit dem Slogan: „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl“. Erzwungen wurde die Kampagne durch eine Bürgerinitiative, die fast 160 000 Unterschriften für den Kampf gegen Hundekot gesammelt hatte. Frühere Kampagnen waren in Wien ähnlich erfolglos wie in Berlin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben