Auf den Punkt gebracht : Muss Berlin mehr für seine Industrie-Arbeitsplätze tun?

Die Spitzenkandidaten von SPD, CDU, Linkspartei/PDS, Bündnis 90/Grüne und FDP beziehen Stellung zur industriellen Produktion in der Hauptstadt.

SPD: Klaus Wowereit



Oberstes Ziel unserer Politik ist die Erhaltung und die Schaffung von Arbeitsplätzen, in allen Branchen. Berlin leidet noch immer unter dem zu schnellen Abbau der Berlin-Zulage, die für viele Unternehmen der Hauptgrund war, in die "Frontstadt" zu kommen. Mit der Berlin-Zulage sind viele Unternehmen wieder aus der Stadt verschwunden, neue Ansiedlungen sind trotz aller Anstrengungen schwierig. Darum ist mir die Bestandspflege der noch 97.000 bestehenden Industriearbeitsplätze besonders wichtig. Genauso wichtig sind jedoch die Schaffung und der Erhalt von Arbeitsplätzen im Wissenschafts- und Dienstleistungsbereich.

CDU: Friedbert Pflüger

Ja! 300.000 Berlinerinnen und Berliner suchen Arbeit. Ob JVC, Samsung, CNH oder Bosch-Siemens, unter Rot-Rot sind in den vergangenen fünf Jahren Tausende Industriearbeitsplätze abgebaut worden. Offenbar mit System, denn Klaus Wowereit proklamiert in der "Financial Times" für Berlin eine Zukunft als "nachindustrielle Stadt". Ich bin anderer Meinung: Berlin braucht eine starke industrielle Basis. Als Regierender Bürgermeister werde ich meine internationalen Kontakte nutzen, um wieder mehr Investitionen und die besten Köpfe in unsere Stadt zu holen. Der Flughafen Tempelhof muss offen bleiben. Er ist ein Standortvorteil!

Die Linke/PDS: Harald Wolf

Die industrielle Produktion ist das Rückgrat einer jeden Wirtschaft, denn jeder industrielle Arbeitsplatz bindet rund vier Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich. Berlin hat nach der deutschen Vereinigung lange davon geträumt, als reine Dienstleistungs-, Tourismus- und Kulturmetropole zu alter Wirtschaftskraft zu kommen. Der Traum ist aus. Ich habe zusammen mit den Unternehmen und Gewerkschaften einen Industriedialog ins Leben gerufen, um Industriebetriebe zu fördern, im Notfall zu retten und weitere anzusiedeln. Und mit BASF, Daimler-Chrysler und anderen Unternehmen gibt es auch Erfolge.

BÜNDNIS 90/GRÜNE: Franziska Eichstädt-Bohlig

Wir engagieren uns für jeden Industrie-Arbeitsplatz und die innovative Weiterentwicklung des Industriebestandes. Weiteren Firmenschließungen und vor allem Abwanderungen werde ich mich mit aller Kraft entgegenstellen. Allerdings müssen wir uns von dem Wunschdenken verabschieden, Berlins Zukunft liege nur in der Industrie. Das große Potenzial sind Wissenschaft, Forschung, die EU-Ostnähe, Energie- und Umwelttechnologien. Die großen Säulen der Berliner Wirtschaft sind der Mittelstand und die Kreativwirtschaft in Mode, Medien und Kultur. Diese müssen wir neben der Erhaltung von Industrie-Arbeitsplätzen fördern.

FDP: Martin Lindner

Berlin hat riesige Chancen für einen wirtschaftlichen Aufstieg und neue Arbeitsplätze: angesehene Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen, kreative Bürger, ein konkurrenzloses Kulturangebot, unvergleichlich niedrige Immobilienpreise und vieles mehr. Leider hat der rot-rote Senat mit seiner Wirtschaftspolitik diese Chancen zunichte gemacht. Damit Berlin für Unternehmen attraktiv wird, brauchen wir kurze Genehmigungsverfahren, wenige, aber klare Regeln statt Vorschriftendschungel, eine Senkung der Gewerbesteuer. Ich setzte mich ein für Wettbewerb statt Monopolen, für erstklassige Schulen und Hochschulen. (tsp)

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