Berlin : Auf den Spuren der Romantiker

Lohme ist das älteste Seebad auf Rügen Im 19. Jahrhundert war es bei Künstlern beliebt

Lohme - Rügen oder Capri? Für den Abenteuerschriftsteller Balduin Möllhausen fiel die Wahl eindeutig auf die Ostseeinsel, genauer gesagt auf das 1855 zum ersten Seebad erklärte Lohme im Nordosten. Auf Capri sei der Sonnenuntergang zwar sehr beeindruckend, befand der weit gereiste Künstler. Aber noch besser sei so ein Erlebnis beim Blick von Lohme hinüber zum Kap Arkona. Möllhausen, aus dessen Reportagen über die Rocky Mountains sich einst Karl May bedient haben soll, gehörte zu den vielen Romantikern auf Rügen und Hiddensee im 19. Jahrhundert. Auch Theodor Fontane sammelte hier und vor allem im nahen Sassnitz Anregungen für seinen Roman „Effi Briest“.

Diese und viele andere Geschichten hat mit großer Akribie der aus dem Rheinland stammende und jetzt das Panoramahotel führende Historiker Matthias Ogilvie zusammengetragen. Zu seinen regelmäßigen Wanderungen in Richtung Königsstuhl lädt er nicht nur seine eigenen Gäste, sondern alle Urlauber ein. Auf der Tour durch den teilweise dicht bewachsenen und gespenstisch anmutenden Wald sowie entlang dem Strand fallen bekannte Namen wie Caspar David Friedrich, Wilhelm von Humboldt, Heinrich von Kleist oder Johannes Brahms. Auch sie waren von der Natur der Insel begeistert. „Ich muss den Leuten unterwegs gar nicht viel erklären“, meint Ogilvie. „In jedem Menschen steckt schließlich ein Romantiker.“ Und so komme es nicht selten vor, dass sich Teilnehmer seiner Wanderung schöne Orte merkten und sie später alleine wieder besuchten, auch für die Beobachtung des Sonnenuntergangs.

Die Bädertradition in Lohme begann rund 50 Jahre früher als in den heute bekannteren Badeorten Binz, Sellin oder Göhren. Bis zum ersten Weltkrieg scheuten Urlauber nämlich den Gang ins Wasser. Man genoss das Seeklima lieber trockenen Fußes, daher spielte der steinige Strand vor Lohme keine Rolle im Fremdenverkehr. „Erst nach Kriegsende setzte der sogenannte Sittenverfall ein, der ein Baden ohne Geschlechtertrennung einleitete“, sagt Ogilvie schmunzelnd.

Die idyllische Lage Lohmes direkt an der Küste birgt aber auch Gefahren für den Ort. Vor drei Jahren drohte die Sperrung und sogar der Abriss einer ganzen Häuserzeile, nachdem ein Küstenplateau auf einer Länge von 100 Metern in die Tiefe gestürzt war. Für ein Diakonieheim wird es keine Rettung mehr geben – es muss abgerissen werden. Ste.

Informationen im Internet:

www.lohme.com

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