Auf den Spuren Fontanes : Wilde Legenden am Stechlin

Wer den Spuren Fontanes folgt, kann Überraschendes in den Wäldern erleben

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Todesszene. Wanderführer legen sich als Schauspieler am Stechlin ins Zeug. Foto: Ste.
Todesszene. Wanderführer legen sich als Schauspieler am Stechlin ins Zeug. Foto: Ste.

Fast wäre der Gedenkstein für den im Mai 1872 „durch ruchlose Hand“ erschossenen „Hülfsjäger Ewald Joppich“ gar nicht aufgefallen. Schließlich hatten die Wanderer auf ihrem Weg durch den großen Menzer Forst bis zum Nehmitzsee und zum Stechlin mit diesem Zeugnis eines Mordes in solch lieblicher Landschaft aus glasklaren Seen, dichten Wäldern und schimmernden Mooren nicht gerechnet.

Doch Revierförster Jörg Sprößig musste sie da mit Hinweis auf einen über alle Zweifel erhabenen Chronisten eines Besseren belehren. „Theodor Fontane machte den Stechlin bekanntlich in seinen Wanderungen und im gleichnamigen Roman überall sehr bekannt“, erzählte er, um für den entscheidenden Satz einen Zettel aus der Tasche zu ziehen: „Tabellen wären hier anzufertigen mit drei Rubriken nur: erschlagen, erschossen, ertrunken.“ So formulierte Fontane seine Eindrücke aus der „Grafschaft Ruppin“.

Doch schon zur Zeit seiner Erkundungen vor mehr als 150 Jahren rankten sich gerade um den Tod von Hilfsjäger Joppich manche Legenden. So soll nicht etwa ein Wilddieb den Mann erschossen haben, sondern der Förster selbst. Denn der Joppich hatte damals ein „Techtelmechtel" mit der Förstersfrau begonnen.

Solche Geschichten und Sagen geben der Revierförster und seine Partner vom Naturparkhaus in Menz auf Wanderungen gern zum Besten. Da verkleiden und verwandeln sie sich dann schon mal in Schmuggler entlang der hier noch bis 1867 kontrollierten Grenze zwischen Mecklenburg und Preußen, erinnern an alte Teerofen-Betreiber und erzählen vom 1990 abgeschalteten Kernkraftwerk Rheinsberg. Dessen Schornstein ragt noch über die Wipfel am Nehmitzsee.

Sehr gut allein lässt sich dagegen der Moorlehrpfad entlang des Roofensees erkunden. Er beginnt am Naturparkhaus in Menz und führt auf zwölf Kilometern zu fünf Stationen. Diese bestehen aus Tafeln mit leicht verständlichen Texten und kleinen Beobachtungspunkten.

Die Namen machen neugierig: „Aufbruch“, „Vielfalt“, „Ein Kessel Saures“, „Harmonie“ und „Geheimnis". Ein im Naturparkhaus erhältlicher Faltplan erleichtert zusätzlich zu dem Emblem „Von Moor zu Moor“ die Orientierung. Vor Moorleichen und anderen gruseligen Geschichten muss sich inzwischen aber niemand mehr fürchten. Ste.

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