Auf den Spuren Friedrich Wilhelms II : Die Muschelgrotte in Potsdam wird restauriert

Friedrich Wilhelm II. liebte die Muschelgrotte in Potsdam. Nach ihm begann der Verfall. Doch Rettung ist in Sicht.

Sarah Kugler
Geheimnisvoll. Friedrich Wilhelm II. soll in den drei Kabinetten der Muschelgrotte am Jungfernsee mystische Séancen abgehalten haben.
Geheimnisvoll. Friedrich Wilhelm II. soll in den drei Kabinetten der Muschelgrotte am Jungfernsee mystische Séancen abgehalten...Foto: Andreas Klaer

Hier und da findet sich noch ein Muschelabdruck, einige Stellen glitzern im Licht des Scheinwerfers. Die frühere Pracht der Muschelgrotte mit ihren Mosaikornamenten im Neuen Garten – sie lässt sich erahnen, in der halb verschwundenen Deckenmalerei des Künstlers Bartolomeo Verona, den geschwungenen Nischen an den Seitenwänden und dem teilweise erhaltenen rautenförmig gemusterten Steinboden. Stück für Stück soll die alte Schönheit wieder vollständig hergestellt werden. Zunächst wird die Muschelgrotte erst einmal für die Besucher des Neuen Gartens sichtbar gemacht. Bis Ende August erhält sie historisch nachempfundene Fenster, die bei einem Schmied in der Domäne Dahlem hergestellt werden. „Die Grotte bekommt quasi ihre Augen wieder“, sagt Susanne von der Osten-Sacken, die Vorsitzende des Förderkreises Muschelgrotte im Neuen Garten. „Schließlich sollen die Besucher ruhig sehen, was für ein Juwel hier am Jungfernsee liegt.“

Den königlichen Nachfolgern war die Grotte unheimlich

Seit seiner Gründung im Jahr 2003 setzt sich der Verein dafür ein, den einstigen Rückzugsort des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II. instand zu setzen. Die nahe gelegene Borkenküche, ein mit Eichenrinde verkleideter Pavillon, ermöglichte stille Teestunden oder auch größere Festtafeln, wie von der Osten-Sacken erklärt. Der Überlieferung zufolge soll der mystisch interessierte Friedrich Wilhelm II. wohl auch Séancen in der Grotte abgehalten haben.

Das wiederum war seinen Nachfolgern etwas unheimlich, was dazu führte, dass die Grotte schon unter Friedrich Wilhelm III. weitgehend ungenutzt blieb und schnell in Vergessenheit geriet. 1863 wird in einer zeitgenössischen Darstellung vermerkt: „Von allen Partien der Königlichen Gärten in Potsdam ist wohl diese Grotte am wenigsten bekannt und besucht.“ Später gab es laut Förderkreis in den Folgejahren immer mal Reparaturversuche, sodass das Bauwerk nicht völlig verfiel. Doch schlimm kam es zu DDR- Zeiten: Die Grotte lag im Grenzstreifen zu West-Berlin und diente Soldaten als Unterstand.

Die Muschelgrotte von innen: Von den einst üppigen Verzierungen aus Mineralien, Muscheln, Glasstücken und Kristallen ist heute nur noch ein Bruchteil zu sehen.
Die Muschelgrotte von innen: Von den einst üppigen Verzierungen aus Mineralien, Muscheln, Glasstücken und Kristallen ist heute nur...Foto: Andreas Klaer

In Zusammenarbeit mit der Stiftung für Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) wurde der Bau in einem ersten Schritt trockengelegt. Dazu wurde der unter Friedrich Wilhelm II. eigens zur Durchlüftung angelegte Gang, welcher zu DDR-Zeiten gesperrt wurde, wieder freigelegt. „Man sieht sehr deutlich, wie die Feuchtigkeit sich durch die Decke gefressen hat“, sagt von der Osten-Sacken. „Und auch an den Wänden ist vieles deswegen abgefallen.“ Viele Elemente, die früher die Grotte schmückten, befinden sich heute in Behältern, sorgsam sortiert. Nach und nach sollen sie von den Restauratoren der SPSG wieder angebracht werden. „Wir wissen vor allem durch alte Bilder, wie es hier früher ausgesehen hat“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Und Vereinsmitglied Volker Freiherr von Wangenheim ergänzt: „Uns ist es besonders wichtig, dass alles so originalgetreu wie möglich restauriert wird, aber da vertrauen wir den Mitarbeitern der Stiftung vollkommen.“ Dem Verein gehe es auch nicht darum, alles auf einen Schlag fertigzubekommen. „Lieber alles Schritt für Schritt, aber dafür ordentlich“, so von Wangenheim. „Immer wenn mal wieder Geld da ist, kommt etwas hinzu.“

Der Verein sammelt weiter Spenden

Um Geld zu sammeln, öffnet der Verein die Muschelgrotte auch für öffentliche Veranstaltungen, etwa für die Musikfestspiele oder den Tag des offenen Denkmals. Auch private Runden mit bis zu 50 Personen können dort Platz finden, wie von Wangenheim sagte. „Auf Anfrage bieten wir außerdem Führungen durch die Grotte an“, sagt Susanne von der Osten-Sacken. „Für Spenden und neue Mitglieder sind wir natürlich immer dankbar.“ Die Unterstützung bliebe auch nicht unbelohnt, wie sie betont: Jedes neue Mitglied hat für ein Jahr kostenfreien Zugang zu Potsdams Schlössern und Gärten.

Wenn die neuen Fenster eingesetzt sind, wird der Boden das nächste größere Projekt sein. Der große Traum des Förderkreises sei, irgendwann Bankette wie zu Zeiten Friedrichs Wilhelm II. abzuhalten, so Volker Freiherr von Wangenheim. „Man muss sich das mal vorstellen, wie das hier aussehen könnte, wenn das alles wieder glänzt“, schwärmt er.

Mehr Informationen unter

www.muschelgrotte.de

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