Berlin : Auf der Erfolgswelle

Die Stern und Kreisschiffahrt feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Zwei Drittel der Fahrgäste sind Touristen.

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Berlin - Zum 125. Jubiläum kann man sich schon mal spendabel zeigen. Die Stern und Kreisschiffahrt Berlin lud aus diesem Anlass am Donnerstag nicht nur zum Empfang auf ihr Flaggschiff „Humboldt“ ein, sondern verlangte auf allen Dampfern für die stündlichen Touren von Treptow nach Köpenick nur 20 Cent. „Wir wissen nicht genau, wie sich die Fahrpreise im Laufe der 125 Jahre verändert haben“, sagte Geschäftsführer Jürgen Loch. „Aber irgendwo haben wir in den Chroniken von 20 Pfennigen für eine Karte gelesen. Also einigten wir uns auf 20 Cent.“

Das Unternehmen mit seinen 300 Angestellten und 20 Azubis kann sich diese Großzügigkeit leisten. Die Geschäfte laufen vor allem angesichts der immer attraktiveren Touren durch die Innenstadt prächtig. 1,2 Millionen Fahrgäste zählt die Stern und Kreisschiffahrt jährlich. Das sind 300 000 mehr als vor zehn Jahren und bedeutet den zweiten Platz unter Berlins Attraktionen, nach dem Zoo, gleichauf mit dem Fernsehturm. 65 Prozent der Fahrgäste sind Touristen, worauf sich die Fahrgastschifffahrt mit Erklärung in acht Sprachen eingestellt hat.

„Doch mehr Wachstum in der Innenstadt geht nicht“, sagt Geschäftsführer Loch. „Es gibt einfach nicht mehr genügend Platz an den Anlegestellen, zumal wir nicht die einzige Reederei sind.“ Die Wartezeiten an den Schleusen oder unter Brücken seien schon heute mitunter lang. Der größte Teil der Schiffe gehört der Stern und Kreisschiffahrt. 32 Fahrgastdampfer, sechs Fähren und zwei Serviceschiffe zählt der aktuelle Bestand.

Angefangen hatte es am 8. August 1888, als der Stettiner Kaufmann Gustav Krokisius aus der Berliner und Stralauer Dampfschiffahrts-Gesellschaft die SpreeHavel-Dampfschiffahrts-Gesellschaft Stern gegründet hatte. Im Lauf der Zeit gab es einschneidende Veränderungen, wobei der Zweite Weltkrieg fast das Ende bedeutet hätte. Mit dem Dampfer „Potsdam“ überstand nur ein einziges Schiff die Bombenangriffe und die Beschlagnahmungen durch die Besatzungstruppen nach Kriegsende. Alle anderen 28 Dampfer, 18 Motorschiffe, acht Motorboote und vier Wasserautos gingen verloren. Die „Potsdam“ nahm im Juni 1945 den Linienverkehr zwischen der Stößenseebrücke und Glienicker Brücke wieder auf.

Nach dem Mauerbau 1961 gab es plötzlich gar keine Schiffe mehr in West-Berlin, befanden diese sich doch alle bei der späteren Weißen Flotte im Osten. Mit Charterschiffen auf der Rundstrecke Wannsee–Kladow–Pfaueninsel–Wannsee gelang der schwierige Neubeginn. Nach und nach konnten die Angebote wieder vergrößert werden, wobei die Jungfernfahrt der „Moby Dick“ 1973 sicher den Höhepunkt darstellte.

Der Mauerfall 1989 eröffnete ganz neue Perspektiven. „Wir sind als West-Berliner Unternehmen entgegen dem allgemeinen Trend praktisch der Weißen Flotte beigetreten“, erinnerte sich Jürgen Loch. „Unser Sitz ist eben nicht Wannsee, sondern der Hafen in Treptow.“ Claus-Dieter Steyer

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