Berlin : Auf der Etage der Esoteriker

In Kreuzberg sitzt die Organisation, die eine Uni auf dem Teufelsberg bauen will. Regisseur David Lynch will für die Maharishis weltweit 192 Zentren errichten.

Lu Yen Roloff

Der Hollywood-Regisseur ist ständig unterwegs: Dienstagnacht hatte er noch den Grundstein für seine geplante „Universität der Unbesiegbarkeit“ auf dem Teufelsberg im Grunewald gelegt. Am Freitag wird David Lynch auch schon von der Maharishi-Bewegung für seine Super- Uni-Initiative geehrt – zu sehen ist er im Fernsehen. Der Maharishi-Kanal MOU überträgt live.

Tempelhofer Ufer, Kreuzberg, fünfter Stock. Hier hat die Bewegung eine Etage im Altbau gemietet; oben angekommen, geht auch schon die Tür auf, die Begrüßung ist freundlich. Der Fernseher, auf dem die Ehrung gezeigt wird, läuft rund um die Uhr im Versammlungsraum des Maharishi-Zentrums. In Berlin trat die Organisation sogar zweimal zu Wahlen an, zog sich dann aber ohne Erfolg wieder aus der Politik zurück.

Das Projekt Superuni wollen sie energischer vorantreiben. Lynchs Europareise durch zwölf Länder, in denen er Grundsteine für weiter Unis gelegt hat, gilt bei den Maharishis deshalb als großer Erfolg. Nicht nur in Berlin, sondern weltweit will Lynch 192 Superunis errichten. Angesichts dieser Pläne, für die Lynch sieben Milliarden Euro Spendengelder sammeln will, stört es Willy Nicklas, Sprecher des Maharishi-Zentrums auch herzlich wenig, dass der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler eine Bebauung des Teufelsbergs ausgeschlossen hat: „Das ist nur eine Frage der Zeit“.

Weltweit gibt es nach Angaben von Nicklas bereits 44 Schulen und zwölf Universitäten wie jene, die David Lynch auf der ehemaligen US-Abhörstation auf dem Teufelsberg bauen will. Doch nicht nur der Bezirk ist dagegen; das verwüstetete Areal soll wieder Wald werden.

Gebaut wurde bisher nur in anderen Ländern: die Maharishi Open University in den USA etwa oder die Maharishi Vedic University in Holland. Sie verbinden bereits die Lehre von Transzendentaler Meditation (TM) und „yogischem Fliegen“ mit Unterricht in naturwissenschaftlichem und ayurvedischem Wissen. Die Maharishi– oder TM–Bewegung ist für ihre teuren Kursgebühren und aufgrund ihrer politischen Ideologien umstritten. In Berlin soll es nach Angaben des Sprechers „2000 bis 3000“ Menschen geben, die TM praktizieren. Lu Yen Roloff

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