Berlin : Auf der ganz langen Bank

Seit mehr als sieben Jahren baut die Bundesbank an der Bismarckstraße Die Anwohner sind genervt. Doch den Bauherrn bringt das nicht aus der Ruhe

Ralf Schönball

Nur vier Jahre dauerte es nach der Grundsteinlegung, bis Gerhard Schröder seinerzeit ins neue Kanzleramt einziehen konnte. In derselben Bauzeit entstanden am Potsdamer Platz 19 Hochhäuser von Daimler-Chrysler. Fast doppelt so lange wird nun schon auf einem Grundstück in Charlottenburg gewerkelt. Frühestens im kommenden Jahr könnte die Baustelle Bismarck-, Ecke Leibnizstraße fertig werden. Anlieger sind genervt. Eilig haben es die Grundeigentümer trotzdem nicht. Bauherr ist die Bundesbank, die hier die Mitarbeiter der ehemaligen Landeszentralbank unterbringen will, die derzeit noch am Steinplatz arbeiten. Man sei zuversichtlich, dass die Arbeiten im „September 2007“ beendet werden könnten: „Die Bauzeit beträgt somit rund siebeneinhalb Jahre“, heißt es auf Anfrage.

Viel Zeit und noch mehr Geld haben sich die Bundesbanker den Ausbau des rund 8000 Quadratmeter großen Grundstücks kosten lassen: 230 Millionen Euro. Rund 500 Mitarbeiter sollen einmal in dem partiell denkmalgeschützten Ensemble arbeiten. Ein Teil davon wird in den „Krügerbau“ aus den 50er Jahren ziehen. Andere in umliegende Neubauten. Zuständig sind die Mitarbeiter der „Hauptverwaltung der Bundesbank“ unter anderem für die Kontrolle deutscher Kreditinstitute und für die Ausgabe von Münzen und Banknoten. Noch ist es allerdings nicht so weit. Und unter Anliegern erzählt man sich gerne diese Anekdote: Die Betreiber eines Cafés in Sichtweite des Bankneubaus warben zur Neueröffnung mit dem Slogan „Willkommen im Café zur Ewigen Baustelle“.

Seit 1999 wird hier gearbeitet. Die Bauzeit von fast acht Jahren bringt den Baustadtrat des Bezirks aber nicht aus der Ruhe: „Das zieht sich wohl noch hin“, sagt Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Das liege an den denkmalgeschützten Teilen des Gebäudeensembles. Auch gebe es da Komplikationen wegen „diverser Tresoranlagen“. Im Übrigen sei es „schön für den Bezirk“, wenn die Landeszentralbank hier ansässig sei – das bringe Kaufkraft und Ansehen. Auch in den Versammlungen der Bezirksverordneten war die Dauerbaustelle bisher kein Thema. Jetzt will der Fraktionschef der Grünen Andreas Koska dazu eine Kleine Anfrage einbringen.

Bei der Bundesbank begründet man die lange Bauzeit so: Die Arbeiten seien vor der „Strukturreform der Bundesbank“ begonnen worden. Im Jahr 2002 wurde die damalige „Landeszentralbank in Berlin und Brandenburg“ mit ihren 3000 Mitarbeitern in „Hauptverwaltung der Bundesbank“ umgetauft. Die Filialen Potsdam und Frankfurt (Oder) wurden geschlossen. Die bisher dort erledigten Aktivitäten werden künftig am früheren Sitz der „Reichsbankstelle Charlottenburg“ konzentriert. Auch die Einführung neuer Geldbearbeitungsmaschinen erforderte eine Überarbeitung der Planungen.

Da die Bundesbank jährlich Milliardenüberschüsse erwirtschaftet, scheuen Planer weder Kosten noch Mühen, damit sich die Banker in ihren neuen Räumen wohl fühlen können. Ein Planungsbüro übernimmt die „materialökologische Beratung“ und überprüft alle Baustoffe auf ihre Gesundheitsverträglichkeit. Bei Bedarf werden Toxikologen der Technischen Universität in München zu Rate gezogen. Für die Banker werden auf diese Weise die baubiologischen Standards erzielt, die auch zum Schutz empfindlicher Kleinkinder in bayerischen Kitas angeraten sind.

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