Berlin : Auf der Insel

Kerstin Schilling beschreibt das West-Berliner Leben

Sigrid Kneist

Daran erinnern sich die West-Berliner doch gerne: das Worldcup-Skirennen auf dem Teufelsberg 1987, den Start der Tour de France im selben Jahr und unbegrenzte Raserei auf der Avus. Solche Skurrilitäten konnte es nur auf der kleinen ummauerten Insel geben. Dabei durften die meisten Bewohner sich nicht West-Berliner nennen – zumindest nicht nach Ansicht der echten West-Berliner, die schon immer dort lebten und nicht zugezogen waren wie viele Studenten oder Bundeswehrflüchtige. Die hießen West-Deutsche, oder spöttisch „Wessis“. Der West-Berliner hätte sich damals bestimmt nicht träumen lassen, dass er nach der Wende auch unter diesem Begriff subsumiert werden würde.

Kerstin Schilling erinnert mit ihren Geschichten von der „Insel der Glücklichen – Generation West-Berlin“ an die Halbstadt mit ihren Besonderheiten. Natürlich aus Sicht der wahren West-Berlinerin, die sich als Nach-Mauerbau-Geborene mit dem Leben in der Inselstadt arrangiert hatte. Die Autorin hat dafür hübsche Episoden zusammengetragen. Lesenswert sind sie vor allem für jene, die dieses West-Berlin miterlebt haben. Ja, genau so war es, möchte man immer wieder sagen. Der Anekdotenfaktor ist hoch, ob Schilling sich nun der alliierten Volksfeste annimmt, der Lichterbräuche zu Weihnachten, des Phänomens der Senatsreserve oder der Berlinzulage, an die man noch heute wehmütig zurückdenkt. Die 30 Schwarzweiß-Bilder, die sich der Stadt auf eine lakonische Art nähern, hat übrigens ein Wessi gemacht, der aus Wuppertal stammende Fotograf Burkhard Peters.

— Kerstin Schilling/Burkhard Peter: Insel der Glücklichen – Generation West-Berlin. Parthas Verlag,

Berlin, 144 Seiten, 19,80 Euro

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