Berlin : Auf der Pirsch

Moet & Chandon präsentiert mutige Mode von jungen Designern

Elisabeth Binder

Was ist noch tragbar, was ist schon Kunst? Das ist in der Mode immer die Frage. Rote Kniestrümpfe, hochgezogen bis zu den Oberschenkeln, machen zum kurzen Federrock zwar wunderschöne Storchenbeine, aber wirken sie auch sexy an einem warmen Sommernachmittag? Würde ein Mann in dem Herrenanzug aus weißen und pfefferminzgrünen Blockstreifen, der aussieht wie das Kind von einer Balkonmarkise und einem Sträflings-Outfit, wirklich über den Ku’damm gehen? Doch, der knistert vor Erotik wie Bonbonpapier. Das Fashion Debut, bei dem Moet & Chandon junge deutsche Designer präsentiert, hat schon Tradition. Die Fläschchen, die der modische Nachwuchs trinkt, bergen Champagner in sich, der immerhin nicht mit dem Strohhalm aufgenuckelt, sondern mit Hilfe eines in den Flaschenhals eingesetzten Mundstücks zart genippt wird.

Diesmal fand das ideenreiche Modedefilee im Gropiusbau statt, und längs des Catwalks hatten neben vielen jungen Kreativen auch professionell am Nachwuchs interessierte Gäste wie KaDeWe-Chef Patrice Wagner und Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel Platz genommen. Die Mode von „blitz“, „macqua“, „c.neeon“ und „Sisi Wasabi“ zeigte viele auffällige Beinkleider für den Sommer, auch in Gelb zum Beispiel mit vielfach gerafften Schuhen drüber oder in Rot und Weiß à la Bahnschranke. Das letztere Motiv ist auch als Shortsanzug zu haben und setzt behaarte Männerbeine effektvoll in Szene. Die Farbkompositionen Aubergine und Schokolade wirken, im Marschtritt auf dem Catwalk vorgeführt, besonders besänftigend. Kreischgrüne Shorts lassen noch viel von den knackigen Pobacken darunter sehen, davon lenken die rosa Stiefel kaum ab. Für Friseure wird’s etwas mau, denn ohne Kapuzen geht gar nichts im nächsten Sommer: Je nackter die Beine, desto mehr braucht man, um den Kopf warm und schattig zu halten. Sehr schön ein grauer Mantel mit Küchenhandtuchmuster. Kesse Jägerinnen tragen auf der Pirsch krachlederne Miniminis in Olivgrün mit roten Trachtenmotiven drauf und dazu gefederte Hüte. Und abends zeigen sie rosa Bäume auf ihrem weißen Abendkleid. Und die Gäste? „Dress like a Star!“ hatte es auf den hochglänzenden pinkfarbigen Einladungen geheißen. Das bedeutete konkret: offene Hemden zu schwarzen Sakkos, schwarze T-Shirts mit silbrig glitzernden Aufschriften und reichlich rosa Tupfen.

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