Berlin : Auf der sicheren Seite

Erst skeptisch, nun zufrieden: Die Polizeireiter beim Grenzschutz

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Für Michaela Ferenz und Matthias Kliche liegt das Glück der Erde nicht nur auf dem Rücken ihrer Pferde, sondern auch beim Bundesgrenzschutz (BGS). Die 35jährige Polizeioberkommissarin und ihr zwei Jahre älterer Kollege haben den Wechsel mit der Reiterstaffel der Berliner Polizei nicht bereut: „Wir fühlen uns beim BGS wohl.“ Und selbst die Pferde sind ausgeglichener, stellten die Reiter fest. Der Einsatz in der Stadt, die „Pflastertreterei“, war eine Belastung für die Tiere. Für beide Beamte ist es ungewohnt, nicht mehr für das Land Berlin zuständig zu sein und dennoch hier zu reiten.

Im Februar war die Reiterstaffel der Berliner Polizei vom Bundesgrenzschutz übernommen worden. Ursprünglich wollte Innensenator Ehrhart Körting sie aus Kostengründen abschaffen. Die 75 Beamten erhielten Zeit bis zum Jahresende, sich zu entscheiden, ob sie beim BGS bleiben oder zur Landespolizei zurückkehren. Für 14 Angestellte war die Alternative zum BGS Arbeitslosigkeit. Sie haben schon am 1. Oktober ihre Arbeitsverträge erhalten. Die Polizeireiter, die sich für den BGS entschieden haben, bekommen morgen ihre Ernennungsurkunden.

Strafzettel an Falschparker dürfen sie jetzt nicht mehr ausstellen. Für diese Aufgabe müssen sie ihre Kollegen von der Landespolizei benachrichtigen. Dafür bewachen die Polizeireiter drei Mal die Woche, immer wenn die Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al landet, den 28 Kilometer langen Zaun um den Flughafen Schönefeld. Oder sie reiten entlang der Bahnstrecken, um die Gleise und Züge gegen mögliche Anschläge zu sichern. Der Unterschied ist lediglich die Blickrichtung: „Früher haben wir beim Reiten entlang der Gleise nach links in den Wald geschaut – jetzt blicken wir eben nach rechts auf die Gleise.“ Der Schutz der Bahn zählt zu den vordringlichsten Aufgaben der Polizeireiter. Nicht alle ihrer 75 Kollegen, die im Februar überraschend die Uniform wechseln mussten, sind auch zehn Monate später noch so begeistert wie Michaela Ferenz und Matthias Kliche. Ein gutes halbes Dutzend wolle zurück zur Berliner Polizei, sagte BGS-Pressesprecher Michael Beier.

Es seien hauptsächlich Kollegen aus dem mittleren Dienst, die glaubten, dass es kaum Aufstiegschancen beim BGS für sie gebe, sagte Beier. Matthias Kliche allerdings sind die Aufstiegschancen gleichgültig, Hauptsache er ist bei seinen Tieren: „Ich wäre auch dann zum BGS gegangen, wenn man mir gesagt hätte, Oberkommissar ist mein Enddienstgrad.“

Belastend und aufregend zugleich sind für Michaela Ferenz und Matthias Kliche die Einsätze außerhalb Berlins. Während des Elbehochwassers waren sie eine Woche lang an der Grenze zu Polen gegen Schmuggler und Schleuser eingesetzt. Zum Schutz des letzten Castortransports waren sie Mitte November in Niedersachsen. Die Partner der beiden Grenzschutzoberkommissare haben sich inzwischen mit der damit verbundenen Trennung arrangiert, wenn sich auch jeder wünscht, dass die Einsätze außerhalb der Heimatstadt nicht zu lange dauern. Michaela Ferenz und Matthias Kliche sehen vorwiegend die positiven Seiten, die ihnen der Grenzschutz bietet: „Wir haben die Sicherheit, unseren Beruf ausüben zu können.“ Und da ist vor allen Dingen das schöne Gefühl, „nicht mehr Spielball der Politik zu sein“. Die Polizeireiter sehen sich als „Bauernopfer – denn eigentlich spart man mit uns doch nur ein paar 1000 Euro“. weso

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