Auf der Spur des Täters : Polizei vermutet brutalen Entführer noch in der Nähe

Der spektakuläre Entführungsfall aus Storkow beschäftigte die Polizei auch am Dienstag. Die Ermittler verfolgen mehrere Spuren. Doch der entscheidende Hinweis fehlt.

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Gesichert. Die Schleuse in Wendisch Rietz bei Storkow ist nach der Entführung zum Kontrollpunkt der Polizei geworden.
Gesichert. Die Schleuse in Wendisch Rietz bei Storkow ist nach der Entführung zum Kontrollpunkt der Polizei geworden.Foto: Steffen Tzscheuschner

Das Entführungsdrama um den 51-jährigen Berliner Geschäftsmann wird zum Fall für „Aktenzeichen XY...ungelöst“. In der ZDF-Sendung am Mittwochabend um 20.15 Uhr soll über das Verbrechen berichtet werden. Denn bislang fehlt nach Angaben der Polizei die entscheidende Spur, obwohl rund um Storkow im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree ein Großaufgebot von 200 Beamten auf der Suche war, darunter Taucher und ein Spezialeinsatzkommando (SEK). Aus der Bevölkerung gingen im Laufe des Tages fast 30 Hinweise ein.

Wie berichtet, war der Täter am Freitagabend in das Haus des Investmentunternehmer im Storkower Ortsteil Hubertushöhe eingedrungen, hatte einen Schuss zur Einschüchterung abgefeuert und die Ehefrau gezwungen, ihren Mann zu knebeln. Der Entführer verschleppte den 51-Jährigen auf eine Schilfinsel nahe dem Ort Wendisch-Rietz, wo er ihn komplett in Folie und Klebeband einwickelte und nur eine kleine Öffnung für Mund und Nase ließ. Mehrere Briefe an seine Frau musste der Mann schreiben, der Kidnapper wollte ein Lösegeld in Millionenhöhe erpressen und hatte dazu eine regelrechte Schnitzeljagd geplant. Schließlich gelang dem Opfer aber am Sonntagmorgen die Flucht. Zu diesem Zeitpunkt wusste die Polizei schon, dass der Entführer im zehn Kilometer entfernten Bad Saarow auch die Anschläge auf die Berliner Millionärsfamilie Pepper verübt hatte. Die Projektile stammen in beiden Fällen aus derselben Pistole, eine „Ceska“ Modell 75 oder 85, vielleicht auch ein chinesischer Nachbau.

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Am Dienstag durchkämmten SEK-Beamte beide Uferstreifen des Kanals zwischen dem großen Storkower See und dem Scharmützelsee, wo der Täter sein Opfer zwei Tage lang festgehalten hatte. Auch so genannte Mantrailer-Hunde, die selbst kleinste Spuren über weite Strecken verfolgen können, kamen zu Einsatz. „Wir prüfen auch, ob wir noch weitere Spuren sichern können. Schließlich muss der Täter die Insel ja verlassen haben“, sagte ein Polizeisprecher. An der Schleuse in Wendisch Rietz, rund vier Kilometer vom Wohnhaus des Entführungsopfers entfernt, überprüfte die Polizei alle Wasserfahrzeuge. „Wir kontrollieren jedes Boot sowohl in Richtung Berlin als auch nach Bad Saarow“, sagte ein Polizist. Für den Notfall lag ein Polizeiboot abfahrtbereit hinter der Schleusenkammer.

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