Berlin : Auf der Straße

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VON TAG ZU TAG

Gerd Nowakowski über

den Protest der Berliner Schüler

Friedlich zogen 50 000 Schüler durch die Stadt, zum Alexanderplatz, zum Brandenburger Tor. Sie sind empört über den Angriff der USA, sie sind traurig, und auch die Angst war zu spüren. Es gibt viele Argumente gegen einen solchen Krieg, das haben die Debatten der vergangenen Wochen gezeigt. Deswegen ist es gut, wenn Jugendliche zeigen, wie beunruhigt sie sind. Sie spüren, dass sie in eine globalisierte Welt hineinwachsen und sich verantwortlich fühlen müssen, weil es um ihre Zukunft geht. In den Schulen wurde über die Hintergründe des Konflikts diskutiert, oft der geplante Unterrichtsstoff über den Haufen geworfen. Viele Schüler werden den Krieg als Alleingang des amerikanischen Präsidenten empfinden – gegen die Völkergemeinschaft.

Doch trotz aller Proteste: Berlin muss weiter eine weltoffene, tolerante Stadt bleiben. Die Empörung über Bush darf, gerade in Berlin, nicht die Freundschaft mit dem amerikanischen Volk vergessen machen. Die USA gehören zu unserer Kultur und zu unserer Stadt – wir sind unterschiedlicher Meinung, aber wir bleiben Freunde.

Diese feine Grenzlinie zwischen berechtigtem Protest und Hass deutlich zu machen, ist jetzt erst recht eine Aufgabe von Schulen und Lehrern. Vor allem, weil wir erst am Anfang eines Krieges stehen, von dem wir nicht wissen, wie lange er dauern wird. Damit am Ende nicht die Sorge um den Frieden in bittere Anfeindung mündet.

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