Berlin : Auf der Suche nach Metropolis und Ben Hur

Der Kostümausstatter Theaterkunst wird 100 und plant zum Jubiläum eine große Ausstellung

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„Da hinten hängt Klaus Kinski“, sagt Susanne Franke. Für die Geschäftsführerin der Theaterkunst-Kostümausstattung sind Schauspieler und Kostüm anscheinend eins. Denn sie zeigt nicht etwa auf einen strangulierten Mimen. Sondern auf eine blaue Uniformjacke, die an einer Stange im Fundus des Ausstatters hängt. Man sieht dem alten Kleidungsstück nicht an, dass es einen bewegten Abenteuerurlaub im peruanischen Urwald hinter sich hat. Dort zog Kinski 1981 bei den Dreharbeiten zu „Fitzcarraldo“ in dem guten Stück in den Kampf .

7,5 Millionen Kostümteile lagern im Berliner Fundus des größten und ältesten Kostümausstatters Deutschlands. Wenn man die Bestände der Firmenableger in Köln, München und Hamburg hinzurechnet, sind es 10 Millionen. Und viele der Kleidungsstücke und Accessoires haben eine ähnlich bewegte Vergangenheit wie Kinskis Jacke. Kein Wunder, denn das Kostümhaus verleiht seit fast 100 Jahren alles, was Schauspieler in Theaterstücken, Shows, aber vor allem in Serien und Filmen tragen. Etwa in Fritz Langs Metropolis, im Blauen Engel mit Marlene Dietrich und Volker Schlöndorffs Blechtrommel. 2007 ist das große Firmenjubiläum. Dann soll es zur Berlinale eine Sonderausstellung mit Exponaten der Firma im Filmmuseum geben.

Doch es ist nicht ganz einfach, die alten Stücke in den Tiefen des Fundus aufzutreiben. In den großen Räumen an der Eisenzahnstraße in Wilmersdorf und in einem Außenlager ganz in der Nähe hängen die Kostümteile bis unter die Decke. Katalogisiert sind sie nur „in den Köpfen unserer Mitarbeiter“, wie Susanne Franke sagt. Im Alltagsgeschäft funktioniert das System anscheinend gut. Bei der Suche nach Ausstellungsstücken sieht das schon anders aus. „Wir glauben, dass wir vielleicht einen alten Helm aus dem BenHur-Stummfilm von 1924 gefunden haben“, sagt Franke. Die Suche nach Metropolis-Kostümen sei bis jetzt erfolglos geblieben. Vielleicht gehören die ja alle zu den Stücken, die die Firma bei den Bombenangriffen während des Zweiten Weltkriegs verloren hat, damals noch in den alten Räumen an der Schwedter Straße in Prenzlauer Berg.

Aber nicht nur der Verlust von vier Fünfteln des Bestandes schadete der Firma in der Zeit des Nationalsozialismus, sondern auch die unrühmliche Beteiligung an dem antisemitischen Film Jud Süß. „Das wollen wir in der Ausstellung nicht aussparen“, sagt Geschäftsführerin Franke. Doch gleich darauf berichtet sie lieber wieder von den letzten großen Erfolgen. „Alles auf Zucker“ bekam den deutschen Filmpreis, auch für die Kostüme von Theaterkunst. Hannelore Elsners trist-gemusterte Bluse zur knalligen Trainingshose war eben ganz besonders scheußlich, wie beabsichtigt. dma

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