Berlin : Auf der Suche nach Rettern der vergänglichen Pracht.

weil überall Geld fehlt. Patenschaften können bei der Sanierung helfen

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Eine Stadt braucht Platz für die Lebenden und für die Toten. Für die Lebenden hat Berlin genug Platz, für die Toten erheblich zu viel. Das Friedhofswesen steckt in der Krise. Keine Kapazitätskrise wie vor hundert Jahren, als es für die Toten kaum noch ein Fleckchen Erde zum Bestatten gab. Gerade andersherum. Die Hälfte der Friedhofsfläche von rund 1400 Hektar liegt brach. Viele verstorbene Berliner werden aus Kostengründen außer Landes gebracht. Oder sie werden eingeäschert und anonym bestattet. Drei Viertel aller Beerdigungen sind Urnenbeisetzungen, rund 25000 im Jahr. Die Anonymitätsrate liegt bei 40 Prozent. Die Trauerkultur ist nicht nur säkularisiert, sie ist auf das Allernötigste reduziert.

Was übrig bleibt, sind Friedhöfe mit ihren alten, reich verzierten Grabstätten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, für die keine Hinterbliebenen mehr aufkommen. Rund die Hälfte der 223 Berliner Friedhöfe steht ganz oder teilweise unter Denkmalschutz, verfällt deshalb aber nicht langsamer. Besonders dramatisch ist die Lage auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee, dem größten Europas. Viele Grabstellen sind eingestürzt. Gefährdete Wandgräber werden notdürftig mit Seilen und Holzstützen gesichert.

Die prominentesten Friedhöfe der Stadt, der Dorotheenstädtische an der Chausseestraße und der Invalidenfriedhof, sind in den vergangenen Jahren mit Geld von Bund, Land und verschiedenen Stiftungen wiederhergestellt worden. Für den Invalidenfriedhof, auf dem preußische Generäle wie Scharnhorst, Witzleben und Schlieffen begraben sind, engagiert sich ein Förderverein, dessen Mitglieder Politiker und Wissenschaftler sind. Andere Friedhöfe wie Alt St.Matthäus an der Großgörschenstraße (hier liegen die Gebrüder Grimm) oder Dreifaltigkeit am Mehringdamm (hier ist der Komponist Mendelssohn-Bartholdy begraben) haben architektonisch interessante Grabanlagen, aber kaum Mittel, um sie instand zu halten. Auf St. Matthäus hat die Stiftung Historische Friedhöfe mit Hilfe von Lottogeldern viele Gräber gesichert oder restauriert. Seit Ende der 90er Jahre hat sich hier eine neue Form von Privatinitiative etabliert: die Übernahme von Patenschaften für Grabstätten. Dabei finanziert der Pate die Restaurierung einer Grabanlage und erhält dafür das Nutzungsrecht. Viele Homosexuelle aus dem Schöneberger Kiez, deren Partner an Aids gestorben sind, haben Patenschaften übernommen. Der Verein „Denk mal positHIV“ restaurierte für drei Grabstätten.

Die Gräber historisch relevanter Persönlichkeiten – einige sind als Ehrengrab des Senats ohnehin sakrosankt – werden nicht vergeben. Dennoch sind Patenschaften auch für diese Gräber möglich, in ideeller Form. Auf dieser Seite stellen wir einige dieser Gräber vor. Vielleicht findet sich ein generöser Liebhaber – auch kleinere Beträge helfen schon weiter.

Texte: Thomas Loy, Fotos: Doris Klaas (9), Kitty Kleist-Heinrich

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