Auf Deutsch gesagt : Das verflixte Wörtchen „mit“

Präpositionen und Adverbien haben es in sich. Brigitte Grunert über die Sprache der Politiker.

Brigitte Grunert
Grunert
Brigitte Grunert

Demokratie lebt vom Mitmachen. Kaum ein politisches Vorhaben, bei dem nicht alle möglichen Organisationen mitreden. Womöglich hat es auch damit zu tun, dass das Wörtchen „mit“ inflationär gebraucht wird. Lassen wir mit als Präposition zunächst beiseite. Für unsere Politiker ist dieses Wort als Adverb in Verbindung mit Verben wie beteiligen oder einbeziehen offenbar unverzichtbar. Dabei ist es meist überflüssig.

In einem Antrag der SPD- und der Linksfraktion zur Sprachförderung für Migranten (und Migrantinnen natürlich, „gendersensibel“ muss man schon sein) hieß es: „In die Koordination mit einzubeziehen sind ...“ Die CDU forderte den Senat auf, ein Nachnutzungskonzept für den Flughafen Tegel vorzulegen, „wobei die angrenzenden Bezirke, Wirtschaftsverbände und -kammern sowie die Öffentlichkeit mit einbezogen werden müssen“, also deren Anregungen. Das liest sich obendrein, als grenzten die Verbände und Kammern an den Flughafen. Dieses Missverständnis gäbe es nicht, hätte man ihnen einen Artikel gegönnt wie den Bezirken und der Öffentlichkeit. Jedenfalls ist mit als Verstärker entbehrlich.

Jasenka Villbrandt (Grüne) wollte vom Senat wissen, „wie es mit seinen Verhandlungen mit der AOK steht“, und „wie bezieht der Senat ... Vorschläge mit ein?“. Nun ja, die Frage müsste lauten, wie es um die Verhandlungen steht. Andererseits fehlt die Präposition mit manchmal dort, wo sie hingehört, weil es um das Miteinander geht. „Inwieweit beabsichtigt der Berliner Senat im Gleichklang zu den Empfehlungen der Bundesregierung und dem Handeln der anderen Bundesländer, Mittel aus dem Konjunkturprogramm II zur Sanierung der Berliner Sportanlagen (ohne Bäder) zur Verfügung zu stellen?“, fragte Andreas Statzkowski (CDU). Du liebe Güte, nur mit anderen ist Gleichklang möglich.

Präpositionen und Adverbien haben es offenbar in sich. Manche werden ja unbekümmert mit dem falschen Kasus gebraucht, selbst wider besseres Wissen (nicht wider besseren Wissens, wie oft zu hören ist). „Entgegen der Aussagen des Senats ...“, stand vorwurfsvoll in irgendeinem Antrag. Na, na, höchstens entgegen den Aussagen des Senats. Entgegen regiert wie auch gemäß und entsprechend den Dativ, doch der falsche Genitiv hat sich eingeschlichen.

Erheitert hat mich dieser Satz aus einem Papier der Grünen: „Bibliotheken gewährleisten das Grundrecht auf die Freiheit von Information und Meinungsbildung.“ Köstlich, was der Dativ (mit von) hier anrichtet. Gemeint ist das Gegenteil des Gesagten, nämlich die Freiheit der Information und Meinung (Genitiv!). Und damit genießen wir die Freiheit von Bevormundung. Ach, immer diese sprachlichen Missverständnisse.

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