Auf Deutsch gesagt : Die Inflation des Politischen

Brigitte Grunert über die Sprache der Politiker

Ohne Politik geht gar nichts, klar. Alles ist politisch, alles, was die Regierungen, Parlamente, Parteien, Verbände, Bürgerinitiativen, Interessengruppen tun, um bestimmte Ziele zu erreichen und das öffentliche Leben zu gestalten. Viele nehmen Einfluss, doch niemand gebraucht so oft die beiden Wörter „politisch“ und „Politik“ wie unsere Politiker – als wollten sie zeigen, dass es um ihre Domäne geht.

Natürlich, man unterscheidet die einzelnen Sparten der Politik, die Haushalts-, die Außen-, die Bildungspolitik und so fort. Mittlerweile ist es allerdings Mode, allen möglichen Begriffen das Wort Politik wie ein Schleifchen anzuhängen. So reden Politiker mit Vorliebe von Genderpolitik, Engagementpolitik, Kohäsionspolitik, Demokratiepolitik, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Dieses aus der Sprache der Wissenschaftler entlehnte Vokabular versteht zwar kaum ein Laie, aber Politiker prunken eben gern mit ihrem Herrschaftswissen.

Schon klar, bei der Genderpolitik, einem deutsch-englischen Wortgemisch, ist von der Geschlechtergerechtigkeit, der Politik um die Gleichstellung von Mann und Frau die Rede. „Genderpolitisch“ regten sich weibliche Abgeordnete darüber auf, dass ein Vorstandsposten eines Unternehmens der öffentlichen Hand nicht ausgeschrieben, sondern einfach mit einem Mann besetzt wurde.

Die Staatssekretärin Monika Helbig von der Senatskanzlei stellte kürzlich in einer Pressekonferenz „Eckpunkte einer engagementpolitischen Förderstrategie“ vor. Gemeint ist die Förderung freiwilliger Dienste. Jeder kann ehrenamtlich helfen, wo Not am Mann ist, ohne gleich einem Verein angehören zu müssen. „Genderpolitisch“ korrekt heißt es natürlich: Jeder Bürger und jede Bürgerin kann sich ehrenamtlich betätigen. Das verdient Anerkennung, und dafür gebe es „Instrumente im Bereich der Anerkennungskultur“, so die Staatssekretärin.

Jemand von der Opposition meinte erzürnt, dass er das Verhalten des Senats in einer bestimmten Angelegenheit „demokratiepolitisch für unverantwortlich“ halte. Du liebe Güte, man könnte einfach und klar von Demokratieverständnis sprechen, aber das wäre manchen Politikern wohl zu banal ausgedrückt.

Die Abgeordnete Elisabeth Paus (Bündnis 90/Grüne) fragte den Senat nach dem „Paket kohäsionspolitischer Maßnahmen zur Beschleunigung der Strukturreformen und zur Überwindung der Wirtschaftskrise“. Sicherlich meinte sie zusammenhängende oder ineinandergreifende Maßnahmen, denn das Wort Kohäsion kommt ja von lateinisch cohaerare, zusammenhängen. Ach, sie reden lieber wie Wissenschaftler (oder Bürokraten). Kein Wunder, dass die Bürger oft nur Bahnhof verstehen und sich abwenden.

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