Auf Deutsch gesagt : Ein spezieller Fall

Brigitte Grunert über die Sprache der Politiker

Die eindrucksvollen Jubelfeiern zum 20. Jahrestag des Mauerfalls waren zwar längst vorbei, als das Berliner Abgeordnetenhaus das wunderbare Ereignis würdigte, das die Welt verändert hat, aber das Parlament tagte schließlich nicht am 9., sondern am 12. November. Ausnahmsweise waren auch alle miteinander einig, was will man mehr.

Allerdings hat das schöne Gedenken immer seine Tücken, rein sprachlich. So dankte Klaus Wowereit „anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Mauerfalls“ als erstes den Bürgerrechtlern der DDR, „weil sie sind die Helden der friedlichen Revolution“. Da haben wir es wieder, dieses 20-jährige Jubiläum, ganz abgesehen vom verrenkten Nebensatz.

Haben wir etwa 20 Jahre lang Jubiläum gefeiert? Haben wir nicht, lächerlich, das würde gar keiner aushalten. Allenfalls haben wir das 20. Jubiläum des Mauerfalls hinter uns, aber selbst dies hört sich seltsam an, denn nicht der Mauerfall hat Jubiläum, sondern wir feiern jedes Jahr diesen historischen Tag. Doch an allen möglichen Gedenk- und Festtagen ist prompt vom 50-jährigen oder auch 100-jährigen Jubiläum die Rede. Das Missverständnis hat sich eingenistet.

Es gibt eben sprachliche Irrtümer und Marotten, die offenbar nicht auszumerzen sind, zum Beispiel die törichte Angewohnheit, im Nebensatz mit weil das Verb falsch zu platzieren. Das reinste Kauderwelsch kommt dabei heraus. Wird ein Nebensatz mit weil eingeleitet, steht das Verb am Ende, beginnt er mit dem Wort denn, steht das Verb vorn.

Der Regierende Bürgermeister verwies in seiner Rede auch auf die Opfer der Mauer, der Diktatur und Barbarei, auf die Opfer des Judenpogroms am 9. November 1938. „Wir müssen der Opfer gedenken, den Opfern der Mauer, den Opfern der ...“, zählte er auf. Ja, was denn nun? Im selben Atemzug gedenkt er der Opfer und den Opfern. Sprachlich korrekt gedenkt man natürlich der Opfer, der Toten, der Helden.

„Dem sollten wir uns immer bewusst sein“, meinte der FDP-Fraktionsvorsitzende Christoph Meyer zum Thema 9. November. Wieder so ein erschlagener Genitiv. Schlamperei ist vom Übel, dessen sollte man sich bewusst sein.

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