Berlin : Auf die Dose kommt es an

Ab Mittwoch gilt die einheitliche Rücknahme von Einweg. Doch Ausnahmen machen es Kunden weiter schwer

Volker Eckert

Ab Mittwoch soll das Chaos beim Dosenpfand ein Ende haben, die Verpackungsverordnung tritt nach einer Übergangszeit in Kraft. Die Händler müssen dann auch die Einwegflaschen und -dosen zurücknehmen, die sie nicht selber verkauft haben. Das klingt einfacher, als es wird. Schlupflöcher und Ausnahmeregelungen machen die Situation für die Verbraucher nach wie vor unübersichtlich. Am einfachsten ist es immer noch, Mehrwegflaschen zu kaufen. Sie kosten weniger Pfand, und man kann sie ausnahmslos überall dort abgeben, wo sie verkauft werden. Über die Neuerungen bei Einweg hier ein Überblick.

Was ändert sich zum 1. Oktober?

Ab Mittwoch müssen Handelsketten auch die Dosen entgegennehmen, die nicht bei ihnen gekauft wurden. Wie bei Mehrwegflaschen schon lange üblich, kann man dann also auch Dosen überall abgeben, wo sie verkauft werden. Jeder Händler muss aber nur die Verpackungsarten annehmen, die er selber anbietet (z.B. 0,5-Liter-Dose).

Ist dies das Ende der Pfandbons und -münzen?

Nein, zumindest nicht vollständig. Denn es gibt mehrere unterschiedliche Systeme für die Rücknahme, zwischen denen die Händler sich entscheiden können. Die Firma Lekkerland-Tobaccoland (L-T) zum Beispiel, die viele Tankstellen und Kantinen beliefert, druckt auf alle Produkte ein „P“. Die Händler, die sich L-T anschließen, verkaufen also Dosen mit „P“, müssen aber auch die der anderen Händler zurücknehmen – außer wenn die ein anderes Format haben, zum Beispiel 0,55 Liter. Der Lieferant Vfw, der auch viele Spar-Filialen beliefert, hat eine Sondergenehmigung und arbeitet weiter mit Bons. Begründung: So wird verhindert, dass Leute Flaschen aus dem Ausland zurückgeben.

Welche Ausnahmen gelten?

Läden mit weniger als 200 Quadratmetern Fläche (außer Filialen) sind von der Regelung ausgenommen. Sie müssen nur Dosen zurücknehmen, deren Größe und Marke sie selber verkaufen. Der Grund ist, dass kleinere Geschäfte nicht übermäßig mit der Auszahlung von Pfand belastet werden sollen.

Sonst müssen aber alle mitmachen, oder ?

Nein. Die Kaiser’s-Supermärkte zum Beispiel haben in den vergangenen Monaten alle Einweggetränke aus dem Sortiment genommen. Reichelt stellt zum Mittwoch ebenfalls komplett auf Mehrweg um und muss daher auch keine Dosen zurücknehmen. Ähnlich verfahren die meisten Grossisten. Aldi, Lidl und andere haben begonnen oder angekündigt, die gängigen Dosen- und Flaschenformate gegen eigene (z.B. 0,55-Liter-Dose) auszutauschen und so die Rücknahmepflicht für die herkömmlichen Produkte zu umgehen, da diese dann ja nicht mehr in ihrem Sortiment sind. Ihre eigenen Dosen nehmen sie natürlich zurück (Insellösung).

Was mache ich, wenn ich meine Dose nicht loswerde?

Zuerst vergewissern, dass der betreffende Händler das Format wirklich führt. Wenn ja, kann man sich hier beschweren: Senat für Stadtentwicklung, Referat 9E26, Wolfgang Fißler, Brückenstraße 6, 10707 Berlin. Telefon: 9025-2219 oder -2238. Die Mitarbeiter gehen den Fällen nach, den Händlern drohen Bußgelder bis 50000 Euro.

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