Berlin : Auf die Geheimdienstler freuen sich vor allem die Finanzbeamten

-

„Das ist ein echtes Pfund für Mitte und Wedding“, freut sich Christoph Lang, Sprecher der Wirtschaftsverwaltung. Durch den BNDUmzug von Pullach im Süden Münchens an die Spree werden 4500 bis 5000 Geheimdienstler neu in die Stadt kommen. Lang macht eine „volkswirtschaftliche Gesamtrechnung“ auf: Familien kommen, bringen Geld mit in die Stadt, mieten Wohnungen, kaufen ein, gehen aus. Und das Beste: Die Geheimdienstler sind gute Steuerzahler und füllen ein wenig die ziemlich leere Landeskasse auf. Zwar rechnet die Wirtschaftsverwaltung durch den BND-Umzug nicht mit einer „durchschlagenden Wirkung“ für den Berliner Arbeitsmarkt, da vermutlich nur wenige Stellen frei werden. Die Arbeitslosenquote in Berlin liegt zurzeit bei 17,7 Prozent. Anders gerechnet: 299813 Menschen waren im September in der Stadt ohne Arbeit. Dennoch gibt Lang SPD-Stadtentwicklungssenator Peter Strieder Recht, der seinen Kritikern entgegnet hatte, dass man angesichts der hohen Arbeitslosigkeit „nicht wählerisch“ sein dürfe.

Auch die Immobilienwirtschaft in der Stadt wird sich freuen: Nach Angaben der Stadtentwicklungsverwaltung stehen in Berlin zurzeit rund 120000 Wohnungen leer. Mit dem BND-Umzug auf das Gelände des früheren Stadions der Weltjugend erwarten sich die Stadtplaner einen baulichen Lückenschluss zwischen Mitte und Wedding – und mehr Urbanität in der Gegend: Restaurants, Einkaufsläden, Dienstleister. Dass der Berliner Handel die Kaufkraft der Geheimdienstler spüren wird, glaubt Jan Holzweißig, Sprecher des Einzelhandelsverbands, aber nicht. Seit 1992 ist der Umsatz im Berliner Einzelhandel von 16,9 Milliarden Euro auf 13,2 Milliarden Euro (2002) gesunken. Berlin liegt im 460 Kommunen auflistenden Kaufkraft-Index der Gesellschaft für Konsumforschung bundesweit auf Platz 233 – direkt hinter der 15000 Einwohner zählenden Kleinstadt Olpe im Sauerland. sib

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben