Berlin : Auf die Mauerkreuze folgt Reklame

„Werbewürfel“ am Checkpoint Charlie

Marc Neller

Bauzaun, Informationstafeln, Plakatwerbung: Zwei Wochen ist es her, dass die Mauerkreuze am Checkpoint Charlie geräumt wurden, und nun werden die Hinweise konkreter, wie die beiden Grundstücke an der Friedrichstraße genutzt werden sollen. Die Zwangsverwalterin, die Bankaktiengesellschaft Hamm (BAG), will dort übergangsweise zwei Würfel, 20 Meter hoch, 20 Meter breit, 20 Meter tief, aufstellen lassen. Auf deren unterer Hälfte sollen historische Fotos zu sehen sein – und auf der oberen Hälfte Werbung.

Ein entsprechender Bauantrag der BAG ging am Freitag beim Bezirksamt Mitte ein. Der Bezirk hat laut Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) „noch nichts entschieden“. Man habe Kultursenator Thomas Flierl (PDS) um eine Stellungnahme gebeten. Wie berichtet, will Flierl auf dem Gelände bis 2011 ein Museum des Kalten Krieges errichten. Bis dahin, das hatte Flierl vor zwei Wochen im Tagesspiegel angekündigt, sollen zwei drei Meter hohe Bauzäune die beiden Grundstücke einzäunen. Auf einem Zaun soll die Geschichte des Checkpoint Charlie dokumentiert werden, auf einem anderen sollen die Gedenkstätten vorgestellt werden, die sich in Berlin mit der Aufarbeitung des SED-Regimes befassen. Diese Idee Flierls kommt über Parteigrenzen hinweg weitgehend gut an.

Gegen die Werbung auf den Würfeln regt sich allerdings Widerstand. „Reklame an diesem Ort mit dieser Geschichte – ich finde, das ist schon ziemlich geschmacklos“, sagte die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Alice Ströver. „An Peinlichkeit nicht zu überbieten“, befand Frank Henkel, Generalsekretär der CDU. Die Partei ist ohnehin der Ansicht, die Mauerkreuze hätten stehen bleiben können. Und auch SPD-Kulturpolitiker Torsten Hilse sagte: „Man sollte alles versuchen, um Werbung an diesem Ort zu verhindern. Es passt nicht.“ Höchstens wenn die Alternative sei, dass gar nichts an diesem Ort passiere, könne man die Werbung hinnehmen. Die Senatsbauverwaltung wollte sich zu diesem Thema nicht äußern. „Federführend ist die Kulturverwaltung“, richtete Sprecherin Manuela Damianakis aus. Und Rainer Klemke, Flierls Referent für Gedenkstätten, versteht die Aufregung nicht. „Klar ist, dass wir nicht jede Werbung zulassen, Alkohol zum Beispiel ist tabu. WM-Werbung aber wäre okay.“

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