Berlin : Auf die Probe gestellt

Andreas Gergen leitet das Schlossparktheater. Ab Oktober zeigt er dort das Musical „Pinkelstadt“

Christian Böhm

Der Intendant ist 30, sein Theater derzeit eine große Baustelle. Andreas Gergen, der zusammen mit seinem Produktionsmanager Gerald Michel (35) dem traditionsreichen Schlossparktheater wieder einen Platz in der Berliner Szene verschaffen will, lacht sein jungenhaftes Lachen und spricht von der „Erfüllung eines Lebenstraumes“. Sein erstes eigenes Theater zu führen – das sieht Gergen als großes Abenteuer. Ausgang: ungewiss.

Eigentlich ist Gergen durch und durch Schauspieler. In Berlin hat er sich als Musicaldarsteller ausbilden lassen. Es folgten Engagements beim Fernsehen, bei Theater- und Musicalbühnen. Mehrfach hat er selbst Regie geführt. Und dabei gemerkt: „Ich muss selber etwas auf die Beine stellen.“ Als Künstlerischer Direktor des Schlossparktheaters wird er nun alle Produktionen im Haus inszenieren. „Wir wollen Geschichten erzählen und die Handlung in den Mittelpunkt stellen. Wir wollen uns auf das Wesentliche konzentrieren.“ Das gilt auch für Bühnenbild, Ausstattung und Kostüme. „Wir sind eher modern“, sagt Gergen, der einräumt, zu kostensparender Produktionsweise keine Alternative zu haben: Der Etat seines Hauses ist eng kalkuliert. Ein Darlehen und logistische Unterstützung etwa beim Kartenverkauf erhält das Gespann Gergen/Michel durch den Unterhaltungskonzern Stage Holding, der in Berlin das Theater des Westens und das Theater am Potsdamer Platz betreibt.

Aufgewachsen ist Andreas Gergen in Saarlouis. Dort besitzt sein Vater eine Bäckerei. Aus dem Elternhause scheint auch sein Unternehmergeist zu kommen, den Gergen jetzt im Schlossparktheater auf die Probe stellt. „Mein Vater hat gesagt, dass man im Leben Mut aufbringen muss.“ Und seinen Mut will er jetzt beweisen. Dass die Unternehmung Schlossparktheater schief gehen könnte, weil es eben schwierig ist, eine Bühne subventionsfrei zu betreiben, daran will er erstmal nicht denken. Andreas Gergen klingt überzeugt wenn er sagt: „Ich bin ganz froh, in finanziellen Dingen nicht vom Berliner Senat abhängig zu sein.“ Allerdings finanziert der Senat die Außenrenovierung des Steglitzer Theaters. Die Instandsetzung von Zuschauerraum und Foyer wird Ende des Monats abgeschlossen sein.

„Pinkelstadt“ ist die erste Produktion im Haus: ein Politthriller mit einer dramatischen Liebesgeschichte. Andreas Gergen scheint glücklich zu sein mit der Besetzung des Stücks, zumal er mit Ilja Richter einen prominenten Hauptdarsteller gefunden hat, der „Pinkelstadt“ bei der Vorstellung des Ensembles gestern über den grünen Klee lobte: Dieser Theatertext sei „der beste, komischste und frechste“, den er in letzter Zeit gelesen habe. Ein guter Köder also für ein Publikum, das Andreas Gergen auf Dauer für sein Haus interessieren will.

Weiteres im Internet unter www.schlossparktheater.com und www. pinkelstadt.de

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