Berlin : Auf die Straße für den Boulevard

Theaterleute rufen zur Demonstration gegen den Abriss der Ku’damm-Bühnen auf

Cay Dobberke

Die Proteste gegen den drohenden Abriss der Komödie und des Theaters am Kurfürstendamm weiten sich aus: Für kommenden Montag rufen der Berliner Theaterclub und zahlreiche Künstler zur Demonstration durch die Innenstadt auf.

Beginn ist um 14 Uhr am Bebelplatz neben der Deutschen Staatsoper in Mitte. Dann wollen die Teilnehmer durch die Friedrich-, Leipziger, Potsdamer und Bülowstraße sowie über die Tauentzienstraße und den Kurfürstendamm ziehen. Für 16 Uhr ist die Abschlusskundgebung vor den Bühnen im Ku’damm- Karree geplant. Dort wollen unter anderem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, die Charlottenburg-Wilmersdorfer Bürgermeisterin Monika Thiemen, der ehemalige SPD-Spitzenpolitiker Egon Bahr und der Chansonnier Klaus Hoffmann sprechen.

Gestern kamen der Theaterclub-Vorsitzende Otfried Laur und rund 30 Schauspieler für den Demo-Aufruf ins Theater am Kurfürstendamm. „Ich bin der Familie Wölffer seit über 40 Jahren verbunden“, sagte Laur. Der Publikumspreis des Clubs, der „Goldene Vorhang“, sei an ein Dutzend Akteure der Boulevardbühnen wie Harald Juhnke, Johannes Heesters, Brigitte Mira und Edith Hancke verliehen worden. Die Häuser gehörten zu Berlin wie der Fernseh- und der Funkturm.

Laut Theaterleiter Martin Woelffer trugen sich bisher mehr als 50 000 Unterstützer in Unterschriftenlisten ein. Trotzdem sei eine Rettung nicht in Sicht. So gebe es noch keinen Termin für neue Verhandlungen mit dem Immobilienfonds aus der Deutschen-Bank-Gruppe, dem die Bühnen gehören. Beim ersten Gespräch mit Bankmanagern, zu dem Klaus Wowereit im Januar eingeladen hatte, war kein Durchbruch erzielt worden.

Der Vermieter hat den Theatern zum Jahresende 2006 gekündigt, um neue Läden im Ku’damm-Karree anzusiedeln. Mittlerweile wurde eine Verlängerung des Mietvertrags bis Mitte 2007 in Aussicht gestellt. Dies bringe jedoch praktisch nichts, sagt Woelffer. Außerdem habe er noch keine schriftliche Bestätigung für die „Gnadenfrist“, sondern wisse davon nur aus den Medien.

Die Schauspieler Judy Winter, Hans- Jürgen Schatz und Edith Hancke forderten den Senat auf, die einst von Max Reinhardt gegründeten Bühnen unter Denkmalschutz zu stellen. Dass es dazu kommt, ist allerdings unwahrscheinlich: Berlins Denkmalschutzbehörden hatten einen entsprechenden Vorstoß der Bühnen schon vor Jahren abgelehnt.

Persönliche Konsequenzen aus dem Streit hat der Schauspieler Horst Pillau gezogen: „Meine Frau und ich sind keine Kunden der Deutschen Bank mehr.“ Zwar habe ihn die Bank deshalb zum Gespräch eingeladen, zugleich aber deutlich gemacht, dass mit den Bühnen „allenfalls ein Kompromiss“ möglich sei.

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